Sofie Dawo
Texturen
Ausstellung im Schauraum am Laboratorium
Vernissage
Sonntag, 25. Oktober 2026, 15 Uhr
Grußwort
Jessica Heide
Staatssekretärin für Bildung und Kultur
Einführung
Dr. Andreas Bayer
Direktor des Instituts für aktuelle Kunst im Saarland
Wir laden Sie, Ihre Freundinnen und Freunde herzlich ein und freuen uns auf Ihren Besuch!
Innerhalb der Entwicklung der Textilkunst des 20. Jahrhunderts nimmt die Künstlerin und Textildesignerin Sofie Dawo eine bislang noch nicht hinreichend gewürdigte Position ein.
In ihrem Œuvre überschreitet sie mit Beginn der 1960er Jahre die Grenzen der Zweidimensionalität und gestaltet gewebte Objekte von plastischem Charakter, die der Entwicklung der Tapisserie und der Webkunst völlig neue Perspektiven eröffnen.
Sofie Dawo, 1926 in St. Ingbert geboren, studierte von 1948 bis 1952 an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk bei Boris Kleint und in der Webklasse. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Entwerferin für die Textilindustrie und realisierte Ausstattungen in öffentlichen Räumen, u. a. im Sitzungssaal des Rathauses von Blieskastel, im Trauungszimmer des Rathauses von Neunkirchen sowie in Kirchenzentren des Saarlandes.
1958 kehrte sie als Leiterin der Klasse für Weben und Stoffdruck an ihre frühere Schule zurück, die mittlerweile in Staatliche Werkkunstschule Saarbrücken umbenannt worden war. Mit der Aufnahme der Lehrtätigkeit begann eine experimentelle Phase, in der Sofie Dawo die bis dahin rein bildhaft aufgefassten Konventionen textiler Kunstproduktion in Frage stellt und die plastischen Potentiale der Webkunst strukturell erprobt. Dabei entstehen autonome Werke jenseits einer Anwendungsbestimmung im Design oder klassischer Tapisseriekompositionen. Für die Textilgestaltung ungewöhnliche Materialkonstellationen – Polyesterfäden, Silberfolie, Metalle oder Kunststoffdraht – finden am Webstuhl ihre Kombination mit Wolle und Garn, wobei die substanziellen Eigenheiten des Materials bestimmend für die Werkbildung werden. Auch in der Technik des Webens relativiert Sofie Dawo die konventionellen Standards. In geradezu bildhauerischen Verfahren werden Fäden nachträglich herausgeschnitten, Verknotungen eingefügt, Bereiche entfernt oder die Oberflächen aufgeraut. Einige Arbeiten entstehen ohne Vorstudien, die Komposition ergibt sich im Webvorgang.
Beeinflusst von der konkret-konstruktiven Tradition in der Nachfolge des Bauhauses und den informell-malerischen Tendenzen der 1950er und 1960er Jahre findet Sofie Dawo zu einer künstlerischen Position, die geometrische Abstraktion und gestischen Duktus vereint.
Mit ihren Arbeiten war Sofie Dawo europaweit bei einer Vielzahl von Ausstellungen und Messen vertreten, die vorwiegend im kunsthandwerklichen oder kunstgewerblichen Bereich anzusiedeln sind. Die Wahrnehmung für textile Objekte als eigenständig künstlerische Werke war noch nicht etabliert. Erst ab den 1970er Jahren begründeten Künstlerinnen wie Judy Chicago, Louise Bourgeois und Rosemarie Trockel eine Tradition, die klassische Hierarchien der Kunstproduktion in Frage stellte und die weiblich konnotierten Techniken des textilen Arbeitens als bildnerische Produktionsverfahren etablierte. Innerhalb dieser Entwicklung kann Sofie Dawo als eine bisher weitgehend vergessene Pionierin der Textilkunst angesehen werden.
Nachdem 1971 die Werkkunstschule als Fachbereich Design in die Fachhochschule des Saarlandes überführt wurde, übernahm Sofie Dawo die Leitung der Fachrichtung Textildesign und erhielt 1975 als einzige Frau im Fachbereich Design eine Professur. Nach ihrer Emeritierung im Jahr 1992 wurde die Studienmöglichkeit des textilen Gestaltens an der Saarbrücker Kunsthochschule eingestellt.
Sofie Dawo verstarb am 12. August 2010 im Alter von 84 Jahren in Saarbrücken.
16 Jahre nach der letzten Einzelausstellung in unserer Region zeigt das Laboratorium – Institut für aktuelle Kunst im Saarland anlässlich ihres 100. Geburtstages eine umfangreiche Werkschau mit Arbeiten von Sofie Dawo. Zu sehen sind selten ausgestellte textile Objekte, Zeichnungen aus den Jahren 1960 bis 1964 sowie noch nie öffentlich zugängliche Dokumentationen aus dem Nachlass der Künstlerin.
Dauer der Ausstellung
25. Oktober 2026–24. Januar 2027
Öffnungszeiten
Di–Fr, 10–17 Uhr, So 14–18 Uhr
Vom 21. Dezember 2026 bis 4. Januar 2027 ist die Ausstellung geschlossen.
Der Eintritt ist frei.
Öffentliche Führungen
Sonntag, 8. November, 16 Uhr
Sonntag, 6. Dezember, 16 Uhr
Sonntag, 24. Januar, 16 Uhr
und nach Vereinbarung
Führungen für Schulklassen auf Anfrage
Führung in Deutscher Gebärdensprache
Sonntag, 10. Januar, 16 Uhr
Fortbildung für Lehrer*innen
Gewebte Bilder und experimentelle Objekte im Spiegel der Textilkunst
Montag, 26. Oktober, 16 Uhr
In Zusammenarbeit mit dem Bildungscampus Saarland
Anmeldung
Laboratoriumsgespräch #04/2026
Andreas Bayer im Gespräch mit ehemaligen Studierenden von Sofie Dawo
Marie-Josée Gamel, Karin Klein, Christa Moritz
Donnerstag, 12. November, 19 Uhr
Bilder sticken und weben
Workshop mit Katharina Krenkel
für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren
Im Rahmen der Kinder-UNI Saarlouis
Samstag, 28. November, 16–18 Uhr
Samstag, 16. Januar, 16–18 Uhr
Anmeldung vhs@saarlouis.de
Vom Faden zum Stoff
Workshop für Erwachsene
mit Marie-Josée Gamel und Karin Klein
Samstag, 12. Dezember, 10–15 Uhr
Anmeldung info@institut-aktuelle-kunst.de
In Kooperation mit
Hochschule der Bildenden Künste Saar

Schirmherrin
Christine Streichert-Clivot
Ministerin für Bildung und Kultur des Saarlandes
Mit freundlicher Unterstützung von
Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes
Landkreis Saarlouis


| Privatpersonen | Schüler*innen, Studierende | Praxen, Kanzleien, gewerbliche Einrichtungen und Firmen | |
|---|---|---|---|
| je Kunstwerk | 50 € | 30 € | 80 € |
Für alle Entleiher gilt: