Eine Geschichte vom Neu- und Wiedergründen, vom Auflösen, Aus- und Anschließen und Vereinigen seit 1922 oder: Nur der Wechsel hat Bestand.
Eine Präsentation erster Forschungsergebnisse zur Geschichte des Saarländischen Künstlerbundes.
Vortrag von Dr. Sabine Graf
Mittwoch, 22. Juli 2026, 19 Uhr
Die Gründung des „Bundes Bildender Künstler an der Saar“, eine Vorgängerinitiative des Saarländischen Künstlerbundes, im Jahr 1922 steht in Zusammenhang mit der kulturellen und politischen Entwicklung des Saargebiets in den 1920er Jahren.
Das Saargebiet entstand als Folge des Vertrags von Versailles und hatte mit seiner Kohle- und Stahlproduktion Reparationsleistungen an Frankreich zu leisten. Durch die Abtrennung von Deutschland formierte sich im Saargebiet eine starke nationale Strömung, die alle Bereiche der Gesellschaft umfasste. Daher wurden die kulturellen Aktivitäten der vom Völkerbund eingesetzten Regierungskommission, die vielfach mit Frankreich gleichgesetzt wurde, beargwöhnt und verworfen. So galten den an Deutschland orientierten Vertretern in Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft die Gründung der Staatlichen Kunst- und Kunstgewerbeschule oder des Staatlichen Museums als Versuche, das Saargebiet dauerhaft von Deutschland zu separieren und als eigenständige politische Einheit international zu etablieren. Auch die Gründung des Bundes Bildender Künstler an der Saar wurde als eine Initiative Frankreichs kolportiert und als Beeinflussung der regionalen Künstlerschaft gewertet. Die Folge war, dass sich der „Bund Bildender Künstler an der Saar“ im März 1924 selbst auflöste, um sich sofort als „Wirtschaftliche Vereinigung Saarländischer Künstler“ neuzugründen.
Seit dem Jahr 1922 durchlief die Künstlervereinigung eine wechselvolle Geschichte. Diese zeigte sich nicht zuletzt an der Vielzahl der Namen, die sich die Künstlervereinigung seit 1922 gegeben hat: Sie lauteten „Bund Bildender Künstler an der Saar“; „Wirtschaftliche Vereinigung Saarländischer Künstler“. Als sich die Kunstschaffenden des Saargebiets um 1929 dem „Reichsverband Bildender Künstler“ mit Sitz in Karlsruhe angliederten, lautete ihr Name „Sektion Saar“ im „Reichsverband Bildender Künstler, Gau Südwestdeutschland“. Nach dem Anschluss des Saargebietes an NS-Deutschland im März 1935 erfolgte der Übertritt in den „Saarpfälzischen Verein für Kunst und Kunsthandwerk“ und seit 1940 in den „Kunstverein Westmark“. Im Juni 1946 beantragten mehrere im Saarland lebende Maler bei der Französischen Militärregierung die Wiedergründung als „Bund Bildender Künstler an der Saar. In den kommenden Jahren folgten wie schon vor 1935 interne Auseinandersetzungen über die Ausrichtung der Vereinigung. Sie führten zur Neugründung im Jahr 1950 als „Bund Bildender Künstler des Saarlandes“. Seit 1953 bis heute firmiert die Künstlervereinigung durchgehend als „Saarländischer Künstlerbund“. Diese Entwicklung, die sich in diesen Bezeichnungen niederschlug, ist jeweils aus ihrem zeitlichen Kontext heraus zu verstehen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bereicherten neue Mitglieder und Unterstützer aus dem Umkreis der 1946 gegründeten Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk Saarbrücken die Initiativen des Künstlerbundes und beteiligten sich seitdem an den jährlich stattfindenden Ausstellungen.
Mit der 1957 gegründeten „neuen gruppe saar entstand“ ein „Gegenmodell“ zum Saarländischen Künstlerbund, das in Abstraktion und Ungegenständlichkeit formal und inhaltlich an das Bauhaus anknüpfte, wohingegen der Künstlerbund individuelle künstlerische Vielfalt und stilistische Breite repräsentierte. Allen internen Spannungen und Mitgliederaustritten zum Trotz bestand der Saarländische Künstlerbund weiter und entwickelte bis in die 1980er Jahre hinein ein neues Selbstbewusstsein, das sich mit den Ausstellungen in der Stadtgalerie Saarbrücken und im Saarländischen Künstlerhaus vermittelte. Seit Jahrzehnten und auch aktuell konzentrieren sich in den Arbeiten und Handlungsstrategien der Künstlerbund-Mitglieder die jeweils zentralen Themenfelder und künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten der regionalen Kunstszene mit ihren bundesweiten und internationalen Verflechtungen.
Gemessen an der Bedeutung des Saarländischen Künstlerbundes ist es somit umso erstaunlicher, dass es bisher noch keine zusammenhängende und fundiert recherchierte Darstellung zur Geschichte der Künstlervereinigung gibt.
Die Autorin Dr. Sabine Graf, die sich seit mehr als 30 Jahren mit Themen der Kunst im Saarland seit 1945 beschäftigt, hat durch intensive Archivrecherchen neue und überraschende Forschungserkenntnisse gewonnen.
Sabine Graf stellt ihre Forschungsergebnisse am Mittwoch, 22. Juli, um 19 Uhr im Laboratorium – Institut für aktuelle Kunst im Saarland vor.
Der Vortrag steht im Kontext der aktuellen Ausstellung des Saarländischen Künstlerbundes „schwarzundweiß – die zweite“, die mit Arbeiten von 17 Künstlerinnen und Künstlern unterschiedlicher Generationen einen vitalen Einblick in die facettenreiche Kunstszene der Region bietet.
Vortrag im Rahmen der Ausstellung
saarländischer künstlerbund
schwarzundweiß – die zweite
Arvid Boecker
Ingo Bracke
Marion Cziba
Frauke Eckhardt
Johannes Fox
Bettina van Haaren
Mane Hellenthal
Ingeborg Knigge
Gabriele Langendorf
Volker Lehnert
Uwe Loebens
Sigrún Ólafsdóttir
Dirk Rausch
Gertrud Riethmüller
Christine Steitz-Kramer
Claudia Vogel
Eva Walker
Kuratorin
Charlotte Veit
Dauer der Ausstellung
21. Juni – 16. August 2026
Öffnungszeiten
Di–Fr, 10–17 Uhr,
So 14–18 Uhr
Der Eintritt ist frei.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Öffentliche Führungen
Sonntag, 5. Juli, 16 Uhr
Sonntag, 19. Juli, 16 Uhr
Sonntag, 2. August, 16 Uhr
Sonntag, 16. August, 16 Uhr
und nach Vereinbarung
Führungen für Gruppen und Schulklassen auf Anfrage
Laboratoriumsgespräch #03/2026
Andreas Bayer im Gespräch mit Mitgliedern des Saarländischen Künstlerbundes
Marion Cziba, Amélie Kremer, Uwe Loebens, Gertrud Riethmüller
Mittwoch, 5. August, 19 Uhr
Mit freundlicher Unterstützung von


| Privatpersonen | Schüler*innen, Studierende | Praxen, Kanzleien, gewerbliche Einrichtungen und Firmen | |
|---|---|---|---|
| je Kunstwerk | 50 € | 30 € | 80 € |
Für alle Entleiher gilt: