Ingrid Lebong ist seit 1986 freischaffende Künstlerin mit festen Ateliers im Saarland und in der Provence. Das Grenzen überschreitende Wirken ist eine Konstante auch in ihrer Kunst. Lebong zeichnet, malt, druckt und modelliert nicht nur. Sie kombiniert gern auch unterschiedliche Techniken und Materialien. Fotographie verschmilzt mit Malerei. Grafisches interagiert mit Farben. Strukturen bilden sich durch Druckverfahren aus. Wort- und Textcollagen sind Bestandteil der Komposition. Holzfundstücke gehen mit Metall- und anderen Dingbeigaben neue formale Verbindungen ein. Lebongs gesamtes Werk wird von Anfang an bestimmt von der Idee der Transformation und ist dementsprechend wandlungsfähig. Im Laufe der Zeit sollte die Abstraktion über die anfängliche Gegenständlichkeit überwiegen.
Lebongs Malerei zeichnet sich vor allem durch eine gestisch eruptive Farbsetzung aus. Sie gestaltet sich ohne Vorzeichnungen aus dem Malakt heraus. Ein koloristisch kalkuliertes Wiegen und Wogen legt sich bzw. tobt über die Bildfläche. Farbige Rinnsale und Sprenkel sind sichtbare Spuren impulsiver bis rauschhafter Bewegung. Lasurhafte Übermalungen verflechten den Vorder- und Hintergrund immer wieder aufs Neue und sorgen für einen vibrierend entgrenzten Bildraum. Eigenständige Linien laden den dynamisierten Innenraum zusätzlich auf. Eine weitere Dimension jenseits des formal-ästhetischen Aspekts bringen die Sprachfragmente ins Spiel. Alltagswirklichkeit und Erscheinungen der Massenmedien durchdringen die Inszenierungen. Lebongs Bildträger geraten zur Bühne für starke und mitreißende Farb- und Formenereignisse. Zur Anschauung kommt das Prozessuale, kommt Welt im unablässigen Werden. „In meinen Bildern bin ich stets unterwegs, in der Landschaft, zu mir selbst, zu Anderen", bemerkt Lebong. Die Art und Richtung der Bewegung wird ebenso durch äußere wie durch innere Einflüsse vorgegeben. Sie ist von Stimmungen, Erlebnissen und Eindrücken aus Natur und Umwelt gespeist. Landschaftliches blitzt auf oder klingt an. Figürliches ist hie und da als Referenz oder Andeutung in das spannungsgeladene Geschehen eingebettet. Das Emotionale und Rationale, das Spontane und Reflexive halten sich die Waage. Der Dialog der Farb-Formen ist von eigenständiger Qualität. Er schlägt sich in Serien mit vorab definiertem Farbenkonzept nieder.
Intuition und Systematik sind kreative Verbündete auch im plastischen Bereich, wo sich Fundstücke eigensinnig zusammenfügen. Das Konstruktiv-Suggestive ist Motor und wesentliche Qualität der Lebongschen Kunst, die als meditativ abstrahierte Um- und Übersetzung der Realität so auch offen für die Betrachtung bleibt. Der Aufbruch zu neuen Ufern ist für Lebong nach wie vor die treibende Kraft.
Dr. Françoise J. Mathis-Sandmaier M.A.
Redaktion: Andreas Link
Alle Abbildungen: VG Bild-Kunst, Bonn
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