Institut für aktuelle Kunst

Gedächtnisplatz" Neue Bremm, 1947, André Sive, Einweihung der Gedenkstätte Neue Bremm am 11. November 1947; Alt-Saarbrücken, Metzer Straße. Foto: Archiv Elisabeth Thalhofer
"Gedächtnisplatz" Neue Bremm, 1947, André Sive, Gedenkstein mit französischer Gedenktafel; Alt-Saarbrücken, Metzer Straße. Foto: Stadt Saarbrücken, Kulturamt
"Gedächtnisplatz" Neue Bremm, 1947, André Sive, Gesamtentwurf, 1947, Ausschnitt; Alt-Saarbrücken, Metzer Straße. Aus: La Sarre. Urbanisme. Saarbrücken 1947, S. 87
"Gedächtnisplatz" Neue Bremm, 1947, André Sive, Denkmal der Gedenkstätte Neue Bremm, 30 m, Stahlbeton, Aufnahme während der Gedenkfeierlichkeiten am 11. November 1954; Alt-Saarbrücken, Metzer Straße. Foto: Landesarchiv Saarland, Bild­archiv Erich Oettinger
Städtisches Ehrenmal auf dem Nußberg für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, 1931, nach dem Zweiten Weltkrieg um das Gedächtnis "Den in den Weltkriegen 1914-18 und 1939-45 gefallenen Bürgern" erweitert; Alt-Saarbrücken, Lohmeyerstraße. Foto: Institut für aktuelle Kunst
Erinnerungstafel an die am 9. November 1938 zerstörte Saarbrücker Synagoge, 1978; St. Johann, Futterstraße. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
"Den Opfern zum Gedenken, uns zur Mahnung, nie wieder Faschismus", 1989; Alt-Saarbrücken, Schlosstreppe. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
Erinnerungsstele für Willi Graf, St. Johann, Alter Friedhof, neben dem Familiengrab Graf. Foto: Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Oranna Dimmig
Gedenktafel für Willi Graf, 1990, Johannes Schütz; St. Johann, Mainzerstraße. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
Dauerausstellung zum Werdegang von Willi Graf, 2009, Werner Constroffer, St. Johann, Alter Friedhof, Friedhofshalle. Foto: Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Oranna Dimmig
Zweite Erinnerungstafel an die am 9. November 1938 zerstörte Saarbrücker Synagoge, 2000, Ute Poller; St. Johann, Kaiserstraße 10, Ecke Futterstraße. Foto: Institut für aktuelle Kunst
Erinnerungstafel für Max Ophüls; St. Johann, Försterstraße 15. Foto: Oranna Dimmig
"Erinnerungsort" für Max Ophüls, 2011, Vera Brandenburger; St. Johann, Max-Ophüls-Platz. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
"Stein zur Mahnung und zum Gedenken", 2010, Paul Schneider; Alt-Saarbrücken, Garten des Landtags. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
"Stein zur Mahnung und zum Gedenken", 2010, Paul Schneider, Detail. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
"2145 Steine – Mahnmal gegen Rassismus", 1993, Jochen Gerz und Studierende der HBKsaar; Alt-Saarbrücken, Platz des unsichtbaren Mahnmals. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
"2145 Steine – Mahnmal gegen Rassismus", 1993, Jochen Gerz und Studierende der HBKsaar, während des Aufbaus; Alt-Saarbrücken, Platz des unsichtbaren Mahnmals. Foto: Archiv Historisches Museum Saar
"2145 Steine – Mahnmal gegen Rassismus", 1993, Jochen Gerz und Studierende der HBKsaar, während des Aufbaus; Alt-Saarbrücken, Platz des unsichtbaren Mahnmals. Foto: Archiv Historisches Museum Saar
"Fritz Dobisch", 1991, Clemens Strugalla; St. Johann, Fritz-Dobisch-Straße 5. Foto: Institut für aktuelle Kunst
"Johanna Kirchner", 1985, Clemens Strugalla; St. Johann, Rathaus. Foto: Institut für aktuelle Kunst
"Willi Graf", 2004, Hans Schröder; St. Johann, Rathaus. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
"Gedenkstätte Gestapo-Lager Neue Bremm", 2004, Neugestaltung, Roland Poppensieker und Johannes Schulze Icking nach der Idee "Hotel der Erinnerung" von Nils Ballhausen und Roland Poppensieker, 2000; Alt-Saarbrücken, Metzer Straße. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
"Gedenkstätte Gestapo-Lager Neue Bremm", 2004, Neugestaltung, Roland Poppensieker und Johannes Schulze Icking nach der Idee "Hotel der Erinnerung" von Nils Ballhausen und Roland Poppensieker, 2000, "Rezeptionsbereich"; Alt-Saarbrücken, Metzer Straße. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
"Gedenkstätte Gestapo-Lager Neue Bremm", 2004, Neugestaltung, Roland Poppensieker und Johannes Schulze Icking nach der Idee "Hotel der Erinnerung" von Nils Ballhausen und Roland Poppensieker, 2000; Separate Informationstafeln erleichtern die Orientierung auf dem ehemaligen Lagergelände; Alt-Saarbrücken, Metzer Straße. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
"Gedenkstätte Gestapo-Lager Neue Bremm", 2004, Neugestaltung, Roland Poppensieker und Johannes Schulze Icking nach der Idee "Hotel der Erinnerung" von Nils Ballhausen und Roland Poppensieker, 2000; Begrenzungsmauer mit gefräster "Plakatwand" und blauem Leuchtband, ca. 2,50 m/3,00 m x ca. 65 m, Teilansicht; Alt-Saarbrücken, Metzer Straße. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
Gedenksätte Gestapo-Lager Neue Bremm", 2004, Neugestaltung, Roland Poppensieker und Johannes Schulze Icking nach der Idee "Hotel der Erinnerung" von Nils Ballhausen und Roland Poppensieker, 2000; Begrenzungsmauer mit gefräster "Plakatwand" und blauem Leuchtband, ca. 2,50 m/3,00 m x ca. 65 m; Alt-Saarbrücken, Metzer Straße. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
"Stolpersteine – Hier wohnte 1933-1945 – Ein Kunstprojekt für Europa", seit 1995, Gunter Demnig; "Stolpersteine" für Moritz, Wanda, Egon und Vales Davidson, 2010, vor dem Eingang zum Haus Großherzog-Friedrich-Straße 61 in St. Johann. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
"Stolpersteine" für Moritz, Wanda, Egon und Vales Davidson. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
"Stolpersteine" für Paula Loeb und Emilie Kaiser, 2010, liegen vor dem Eingang zum Haus Rathausplatz 7 in St. Johann. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
"Stolpersteine" für Paula Loeb und Emilie Kaiser. Foto: Landeshauptstadt Saarbrücken
"Stolpersteine" für die während der NS-Zeit ermordeten Mitglieder des Saarbrücker Stadtrates Fritz Dobisch (Stadtverordneter 1932-35), Peter Roth (Erster Beigeordneter 1932-35) und Wendel Schorr (Stadtverordneter 1932-35) vor dem Rathaus St. Johann, 2011. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
"Stolpersteine" Fritz Dobisch (Stadtverordneter 1932-35), Peter Roth (Erster Beigeordneter 1932-35) und Wendel Schorr (Stadtverordneter 1932-35). Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
"Stolperstein" für Johanna Kirchner, 2012; St. Johann, Bahnhofstraße 95. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
Entwurf für den neuen Rabbiner-Rülf-Platz, FloSundK architektur+urbanistik gbr, Daniela Flor, Jens ukfw Stahnke, Mario Krämer, Freiraumplanung Neugestaltung, Rabbiner-Rülf-Platz, Vorentwurf, Variante, Bauherrin: Landeshauptstadt Saarbrücken
"Erinnerungsort Rabbiner-Rülf-Platz" mit dem Denkmal für die ermordeten saarländischen Juden "Der unterbrochene Wald", 2013, Ariel Auslender, St. Johann, Rabbiner-Rülf-Platz. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
"Der unterbrochene Wald", 2013, Ariel Auslender, St. Johann, Teilstück auf der Freitreppe zwischen Rabbiner-Rülf-Platz und Willi-Graf-Ufer. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
"Der unterbrochene Wald", 2013, Ariel Auslender, Detail. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig
"Der unterbrochene Wald", 2013, Ariel Auslender. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Oranna Dimmig

Saarbrücken, Bezirk Mitte, Stätten des Gedenkens an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft

Künstler: Sive, André (Szivessy Andras) | Schneider, Paul
Epoche: 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert
Gattungen: Kunst im öffentlichen Raum
Werke: Denkmäler/Gedenkstätten

Stätten des Gedenkens an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im öffentlichen Raum der Landeshauptstadt Saarbrücken

Wer offenen Auges durch das Stadtgebiet geht, kann an verschiedenen Stellen der Landeshauptstadt Saarbrücken, Bezirk Mitte, zeichen- oder bildhaften Hinweisen begegnen, die an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnern. Teils sind es authentische Orte des Terrors, die mit zumeist künstlerisch gestalteten Markierungen wie Steinen, Stelen, Tafeln oder auch einfachen Hinweisschildern gekennzeichnet sind, teils wird an Individuen oder Gruppen erinnert, die wegen ihrer politischen Überzeugung oder ihres Glaubens verfolgt wurden, unter die diskriminierenden Nürnberger Gesetze fielen oder aus anderen Gründen willkürlicher staatlicher Nachstellung ausgeliefert waren.

Die ersten Zeichen wurden in Saarbrücken bald nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der NS-Diktatur gesetzt: Auf Anordnung der französischen Militärregierung, die in großem Stil Straßen mit nationalsozialistischer oder preußisch-militärischer Namensgebung rück- oder umbenannte, wurden auch einigen Straßen die Namen von Personen gegeben, die unter Einsatz ihres Lebens Widerstand gegen Hitler und sein Regime geleistet hatten. Aktuell lassen sich knapp zwei Dutzend Straßen und Plätze in Saarbrücken, Bezirk Mitte, finden, die durch ihre Namen an Widerständler und Verfolgte der NS-Gewaltherrschaft erinnern. Die Mehrzahl der Geehrten war durch Geburts-, Wohn- oder Arbeitsort und/oder politisches, gegen Hitler gerichtetes Engagement im Zusammenhang mit der Saarabstimmung 1935 mit der Stadt und der Region verbunden: Pfarrer-Bleek-Platz, Max-Braun-Straße, Fritz-Dobisch-Straße, Willi-Graf-Straße, Willi-Graf-Ufer, Johannes-Hoffmann-Platz, Hanna-Kirchner-Straße, Koßmannstraße, Max-Ophüls-Platz, Gustav-Regler-Platz, Rabbiner-Rülf-Platz, Wendel-Schorr-Straße, Josef-Wagner-Weg und Peter-Zimmer-Straße, sowie Bonhoefferstraße, Pater-Delp-Straße, Goerdelerstraße, Leberstraße, Leuschnerstraße, Geschwister-Scholl-Straße und Graf-Stauffenberg-Straße.

Von Beginn an hatte in Saarbrücken die Benennung von öffentlichen Räumen nach Widerständlern eine politische Tönung und war nicht frei von Strömungen des Zeitgeistes. Ähnliches lässt sich bei Erhalt und Pflege authentischer Orte und Gräber, bei der Setzung von künstlerisch gestalteten Mahnmalen, Gedenksteinen und Erinnerungstafeln und schließlich bei der Schaffung, Pflege und Umgestaltung von Gedenkstätten für Opfer der NS-Gewaltherrschaft beobachten. Initiatoren und Stifter wechseln ebenso wie Motive und Anlässe, Gedenkzeichen in den öffentlichen Raum zu setzen. Mindestens ebenso unterschiedlich sind die Ansprüche, die an Größe, Konzeption, Entwurf und Formgebung der Erinnerungszeichen, Mahnmale und Gedenkstätten gestellt werden. In der Geschichte der Gedenkzeichen für Opfer der NS-Gewaltherrschaft spiegelt sich die wechselnde Intensität und Zielrichtung der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit wider, ebenso die Abwehr und Verdrängung unangenehmer und beschämender Ahnungen und Gewissheiten. So stehen die Erinnerungsmale im Stadtraum Saarbrückens auch für unterschiedliche Ansätze von Erinnern und Gedenken, von Würdigen und Mahnen, von Sichauseinandersetzen und Lernen.


"Gedächtnisplatz" Neue Bremm, 1947, André Sive, Alt-Saarbrücken, Metzer Straße
Die früheste Gedenkstätte entstand 1947, noch unter der französischen Militärverwaltung. An der Metzer Straße wurde auf einem Teilbereich eines Gestapo-Lagers, das unter der irreführenden Bezeichnung "Erweitertes Polizeigefängnis" in das NS-Lager-System einbezogen war, der "Gedächtnisplatz" Neue Bremm angelegt. An authentischem Ort wird der Männer und Frauen gedacht, die hier in einem Straf-, Erziehungs- und Durchgangslager unter grausamen Bedingungen gefangen waren, drangsaliert wurden, an den Haftbedingungen starben oder ermordet wurden. Inhaftiert waren hier in zwei Abteilungen – einer für Männer und einer für Frauen – verschiedene Häftlingsgruppen unterschiedlicher Nationalität, darunter Saarländer, die sich nicht konform verhielten, sogenannte "Bummelanten und Arbeitsunwillige", "widerspenstige" Zwangsarbeiter sowie politische und jüdische Häftlinge und Kriegsgefangene auf dem Weg in andere Lager. Schätzungen sprechen von vermutlich 20.000 Menschen, die das "Erweiterte Polizeigefängnis" Neue Bremm durchlaufen haben. Eine nicht bekannte Anzahl von Menschen starb entweder hier oder an einem späteren Aufenthaltsort als Folge der in Saarbrücken zugefügten Leiden. Auf einem separaten Feld des nahen Saarbrücker Hauptfriedhofs wurden Opfer des Lagers Neue Bremm bestattet. Nach dem Krieg kennzeichnete die Stadt diese Gräber durch einheitlich gestaltete Grabsteine.

Die Initiatoren der Gedenkstätte Neue Bremm waren ehemalige Häftlinge, die in ihrem Vorhaben Unterstützung fanden bei dem Chef der Militärverwaltung, Gilbert Grandval, und dem stellvertretenden Leiter der Regierungsabteilung für Stadtplanung und Wiederaufbau, dem Pariser Architekten André Sive. Sive entwarf in der nüchtern-sachlichen Formensprache des Funktionalismus eine Gesamtanlage, die auf öffentliche, zeremonielle Feiern hin ausgerichtet war. Er bezog die neben dem Lager vorbeilaufende, damals noch ländlich geprägte Metzer Straße in die Gedenkstätte ein. Die Metzer Straße, die als eine wichtige Zufahrtsstraße Saarbrückens vom französisch-deutschen Grenzübergang in die Innenstadt führt, wurde durch die Anpflanzung von Pappeln zu einer Allee aufgewertet.

In Höhe des Männerlagers verbreiterte sich die Allee und bot Raum für ein inmitten der Straße aufragendes ca. 30 Meter hohes Monument. Aus Stahlbeton gefertigt und hell gestrichen, war das Denkmal einem französischen Bajonett nachempfunden. Diese städtebauliche Dominante verwies auf das seitlich davon gelegene Männerlager, das in seinen Grundstrukturen – Fundamente der Baracken, Appellplatz mit Löschweiher, Stacheldrahtzaun – erhalten und damit als ehemaliges Lager erkennbar blieb. Zwischen Straße und Männerlager wurde ein zweiseitig von Fahnenstangen gerahmter Zeremonienplatz angelegt, auf dem der Gedenkstein mit französischsprachiger Inschrifttafel stand. Die städtebaulich-architektonische Kopplung von Allee, Monument, Versammlungsplatz, Gedenkstein und Lager bezog sich allerdings nur auf das Männerlager und blendete das Frauenlager völlig aus.

Stilistisch auf der Höhe der Zeit, stand die von André Sive entworfene Gedenkstätte Neue Bremm jedoch inhaltlich noch ganz in der Tradition des Kriegerdenkmals, also eines Mals, das vor allem an gefallene Soldaten erinnern sollte – in diesem Falle an "die Verteidiger der menschlichen Würde und Freiheit" ("les défenseurs de la dignité et de la liberté humaines") wie die Inschrift auf dem Gedenkstein ausweist. Eine künstlerische Lösung, die an das Leid der Frauen erinnert oder gar auf den Zivilisationsbruch reagiert, den die NS-Methoden systematischer, massenhafter Verfolgung und Ermordung bedeuteten, wurde offensichtlich nicht angestrebt, zumindest nicht gefunden. Die Suche nach neuen Entwürfen des Gedenkens an die Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft sollte in Deutschland allgemein erst gegen Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre einsetzen.


Gedenkstätten nach 1957
In den ersten Jahren nach der Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland 1957 richtete sich das offizielle Gedenken vor allem auf die gefallenen Soldaten. Auf Friedhöfen, in Kirchen und öffentlichen Gebäuden wurden die Tafeln mit den Namen der Gefallenen des Ersten Weltkrieges um die Namen der toten und vermissten Soldaten des Zweiten Weltkrieges ergänzt. Aber auch zivile Kriegsopfer wurden in das Gedenken aufgenommen. Vorhandene Ehrenmale für die Toten des Ersten Weltkrieges wurden nun um das Gedenken an die Toten des Zweiten Weltkrieges erweitert, so das 1931 in exponierter Lage über der Stadt errichtete städtische Ehrenmal auf dem Nußberg. Neue Erinnerungsmale entstanden, beispielsweise die Gedenksteine für gefallene Flakhelfer in der Straße Am Lulustein und in der Sportanlage Am Kieselhumes, oder die künstlerisch gestaltete Bronzetafel für die Gefallenen der beiden Weltkriege an der Schulhofmauer des Otto-Hahn-Gymnasiums, 1959 von dem Saarbrücker Künstler Wolfram Huschens gefertigt. Künstlerisch und städtebaulich ambitioniert sind auch die als Neuschöpfungen wiedererrichteten Regimentsdenkmäler, die sich in der Obhut der Stadt Saarbrücken befunden hatten und durch Kriegseinwirkungen zerstört oder auf Anordnung des alliierten Kontrollrates bzw. der französischen Militärbehörden nach 1945 beseitigt worden waren. Beispiele dafür sind das 1961 aufgestellte Ehrenmal für das 3. Unterelsässische Infanterie-Regiment 138 im Echelmeyer Park oder der 1962 neben der Staatskanzlei gesetzte Dragoner-Gedenkstein, der in Zusammenarbeit von Stadtbaumeister Peter Paul Seeberger und Bildhauer Theo Siegle entstanden ist (Ecke Keplerstraße/Stengelstraße).

Im Laufe der 1960er und 1970er Jahre nahm das Interesse an der Auseinandersetzung mit der belasteten deutschen Geschichte allgemein immer weiter ab. Zugleich wuchsen Argwohn und Widerwille gegenüber Pathos und verordnetem Gedenken und führten zum Niedergang des traditionellen Denk- und Mahnmals. In Saarbrücken kam diese Entwicklung exemplarisch in der Verwahrlosung und Deformation der Gedenkstätte Neue Bremm zum Ausdruck.

Die bundesweite Ausstrahlung der amerikanischen Fernsehserie "Holocaust" im Januar 1979, die anhand des Schicksals fiktiver Personen die Judenverfolgung 1933-45 schildert und beispielhaft die Auswirkungen der nationalsozialistischen Ideologie und Diktatur auf einzelne Menschen veranschaulicht, markiert eine erinnerungspolitische Zäsur. War das zunehmend schematisch gewordene, "allen Opfern" gewidmete Andenken verunklärend und wenig fassbar, so entstand nun der Wunsch nach einer inhaltlich schärferen, sinnvolleren und wahrhaftigeren Erinnerungskultur. Indessen sind für verbindliches Gedenken die Erforschung der verdrängten Geschichte, die Recherche von Fakten und die Sicherung verblasster Spuren unabdingbare Voraussetzungen. Arbeitsgruppen bildeten sich, Geschichtswerkstätten wurden gegründet, alternative Stadtführungen angeboten, Forschungsergebnisse publiziert.

In Saarbrücken manifestierte sich dieser Wechsel 1978, als die Landeshauptstadt zusammen mit der Synagogengemeinde Saar anlässlich des 40. Jahrestages der Pogromnacht vom 9. November 1938 in der Futterstraße eine bronzene Gedenktafel anbrachte, die an die Zerstörung der Saarbrücker Synagoge erinnert. Seitdem wird, zumeist aus Anlass eines Jahrestages, einzelnen Personen oder Gruppen, die Opfer der NS-Gewaltherrschaft wurden, eine Erinnerungstafel, ein Gedenkstein oder eine Stele gewidmet.

Eine deutschsprachige Tafel ergänzt seit 1985 die französische Inschrift auf der Gedenkstätte Neue Bremm.

Zum 50. Jahrestag der Pogromnacht entstand 1988 eine hölzerne Wandgestaltung, welche die brennende Saarbrücker Synagoge thematisierte (Friedhofsmauer an der Moltkestraße, kunstpädagogisches Projekt unter Leitung von Gerhard Heckmann; inzwischen entfernt).

1989 wurde eine Stein-Stele mit der Aufschrift "Den Opfern zum Gedenken, uns zur Mahnung, nie wieder Faschismus" vor dem ehemaligen Hauptquartier der Gestapo in Saarbrücken, dem Nordflügel des Schlosses, errichtet (1993 auf die Treppe von der Schlosskirche zum Schlosspark versetzt).

An Willi Graf, der als Mitglied der studentischen Widerstandsgruppe "Weiße Rose" 1943 hingerichtet wurde, erinnern verschiedene Gedenkzeichen im öffentlichen Raum: ein Gedenkstein auf dem  Familiengrab, in das Willi Graf  in der Nachkriegszeit überführt wurde (Alter Friedhof St. Johann), eine Gedenktafel an seinem Elternhaus (Mainzer Straße 30, Gestaltung Johannes Schütz 1990) und eine Holzbohlen-Stele im Rahmen des "Parcours de la Paix Saarbrücken – Spicheren" (Hohe Wacht, Ecke Spichererbergstraße, 1994). Zu seinem 66. Todestag richtete die Landeshauptstadt Saarbrücken in der unweit des Grabes gelegenen kleinen Friedhofshalle eine Dauerausstellung zum Werdegang von Willi Graf ein. Die Texte entstanden in enger Kooperation mit seiner Schwester Anneliese Knoop-Graf. Die Ausstellung wird ergänzt durch Zitate aus Briefen und Tagebüchern des Widerstandskämpfers (Alter Friedhof St. Johann, Gestaltung Werner Constroffer, 2009). Als vorläufig letzte Ehrung wurde dem jungen Widerstandskämpfer eine weitere Umbenennung zuteil, die vom Bezirksrat Mitte und dem Stadtrat Saarbrücken im Jahr 2013 beschlossen wurde: seither heißt die frisch sanierte und neu gestaltete untere Berliner Promenade sowie die angrenzenden Bereiche bis zum Bürgerpark (Congresshalle) einerseits und zum Beginn des Staden andererseits "Willi-Graf-Ufer".

In Jahre 2000 griff die Landeshauptstadt Saarbrücken die Anregung des Vorsitzenden der Synagogengemeinde Saar auf, eine weitere Gedenktafel am Nachfolgebau der zerstörten Synagoge anzubringen. Präziser als die Bronzeplatte von 1978 sollte die neue Erinnerungstafel das historische Geschehen benennen, zudem eine Ansicht des 1888-90 errichteten Bauwerks zeigen und in Augenhöhe montiert sein. Die Saarbrücker Designerin Ute Poller setzte die Vorgaben in einen grafischen Entwurf um, der die Vorlage für die gravierte und mit einem Graffiti-Schutz überzogene Metallplatte bildet. (Äußerster Pfeiler der Arkade des Hauses Kaiserstraße 10 / Ecke Futterstraße)

Für die große Opfer-Gruppe der Zwangsarbeiter wurde auf dem Gelände eines der vielen Lager, in denen die zumeist aus Osteuropa verschleppten oder unter falschen Versprechungen angeworbenen Menschen untergebracht waren, eine Gedenktafel angebracht (Messegelände, 2005).

Im Garten des Landtages steht ein Gedenkstein, der den parlamentarischen Opfern gewidmet ist (Bildhauer Paul Schneider 2010). 

Und im Januar 2011 wurde eine Stele für den in Saarbrücken geborenen, 1933 emigrierten Filmregisseur Max Ophüls gesetzt (Max-Ophüls-Platz, Stahl-Stele nach Entwurf 2005 von Vera Brandenburger-Schmitt für das Projekt "Erinnerungsorte").


 
"2145 Steine – Mahnmal gegen Rassismus", 1993, Jochen Gerz und Studierende der HBKsaar, Alt-Saarbrücken, Platz des unsichtbaren Mahnmals
Ein großes Mahnmalprojekt, das auf die in den 1980er Jahren bundesweit geführten Diskussionen über den authentischen Ort und die Überwindung hergebrachter Formen des Denkmals reagierte, entstand in Saarbrücken 1990-93 als Ergebnis einer Lehrveranstaltung an der neugegründeten Hochschule der Bildenden Künste Saar:

Vor dem Saarbrücker Schloss, dem heutigen "Platz des unsichtbaren Mahnmals", nehmen "2145 Steine – Mahnmal gegen Rassismus" Bezug auf den Schlossplatz als regionalem Anhaltspunkt der Polizeigewalt des NS-Staates. In allernächster Umgebung waren Dienststellen der Geheimen Staatspolizei (Nordflügel des Schlosses), der Polizei (Erbprinzenpalais) und der Kriminalpolizei (Altes Rathaus) angesiedelt. Der Platz selbst diente als Sammelstelle Saarbrücker und saarländischer Juden auf dem Weg in die Deportation. Von 1990 bis 1993 entstand hier, zunächst ohne Auftrag und im Geheimen, ein Mahnmal, das sich als ein Gegenentwurf zu demonstrativ gesetzten Monumenten im Stadtraum versteht und durch seinen Verzicht auf Sichtbarkeit das Misstrauen gegenüber dem Bildlichen radikal zum Ausdruck bringt.

Der Konzeptkünstler und damalige Gastprofessor an der HBKsaar, Jochen Gerz, ließ zusammen mit einer Gruppe von Kunststudenten und -studentinnen insgesamt 2145 an ihrer Unterseite beschriftete Steine in die Pflasterung vor dem Schloss ein. Jeder Stein steht durch seine Inschrift für einen der jüdischen Friedhöfe, die vor dem Jahr 1933 in Deutschland existierten. Damit bezieht sich das "Mahnmal gegen Rassismus" auf die größte Gruppe von Menschen, die durch die nationalsozialistische Rassenideologie und die daraus abgeleitete Gesetzgebung ausgegrenzt, von staatlichen Organen gezielt verfolgt, ermordet und verbrannt wurden, Menschen, deren Gräber auf ihren traditionellen Begräbnisplätzen fehlen.

Eine der Voraussetzungen zur Realisierung des Mahnmals war die umfangreiche Recherche zur Erlangung einer vollständigen Liste der jüdischen Friedhöfe, die vor 1933 in Deutschland (alte und neue Bundesländer) existierten. Diese wurde in Zusammenarbeit mit den jüdischen Gemeinden erstellt. Daher trägt jeder Stein zusätzlich zu dem Namen des Friedhofs auch das Datum, an dem das Antwortschreiben der angefragten jüdischen Gemeinde bei der Arbeitsgruppe eintraf. Diese Daten stellen die Ankerpunkte zwischen den schließlich 2145 ermittelten Orten und dem Mahnmal in Saarbrücken her. Mit dem Vorgang des Gravierens der Pflastersteine nehmen Gerz und seine Studentengruppe auch Bezug auf geritzte Botschaften, die an den Wänden einer Haftzelle der Gestapo im Keller des Saarbrücker Schlosses gefunden wurden. Die Zelle mit den Graffiti der Häftlinge befindet sich an ursprünglicher Stelle und ist Bestandteil der Dauerausstellung des Historischen Museums Saar über die Zeit der NS-Diktatur: "Zehn statt 1000 Jahre".

Da die Arbeiten an dem Mahnmal heimlich begannen, wurden im Schutze der nächtlichen Dunkelheit Steine der vorhandenen Pflasterung des Schlosshofes portionsweise entnommen und vorübergehend durch Doppelgänger ersetzt. Nach der Beschriftung und fotografischen Dokumentation fügte man die Originalsteine wieder ein. Als im Laufe des Projekts die Dimension, die es nehmen würde, immer deutlicher wurde, gingen Jochen Gerz und die Projektgruppe an die Öffentlichkeit und fanden bei der Landesregierung und dem Parlament des Stadtverbandes Saarbrücken die nötige Billigung und Unterstützung. Am 23. Mai 1993 wurde das Mahnmal der Öffentlichkeit übergeben.

Die Unsichtbarkeit von "2145 Steine – Mahnmal gegen Rassismus" war von Beginn an irritierend und rätselhaft. Sie würde unweigerlich dazu führen, dass das Mahnmal aus dem Bewusstsein schwände, wenn es nicht durch andere Zeichen und Medien vermittelt würde. Eines der Mittel ist der neue Name des Schlossplatzes: "Platz des unsichtbaren Mahnmals". Am Eingang des Platzes bietet ein Schild eine kurze Erklärung. Im nördlichen Treppenhaus des Schlosses dokumentieren vier dauerhaft installierte Informationstafeln die Entstehung des Mahnmals und zeigen auf einer Deutschlandkarte die Lage der 2145 jüdischen Begräbnisplätze. Ein Buch mit der Liste der Friedhöfe und der Dokumentation des Mahnmals ist im benachbarten Historischen Museum Saar erhältlich.


"Fritz Dobisch", 1991, Clemens Strugalla, St. Johann, Fritz-Dobisch-Straße 5
Etwa zur selben Zeit wie das sich der Bildhaftigkeit verweigernde "Mahnmal gegen Rassismus" entstand die bildhafte Gedenkstätte für den letzten freien Gewerkschaftsvorsitzenden der Saar und Kämpfer für den Status Quo, Fritz Dobisch. Für den Eingang des Hauses des Deutschen Gewerkschaftsbundes schuf der Bildhauer Clemens Strugalla ein dreiteiliges Bronzerelief. Dargestellt ist auf der kleineren Gedächtnistafel das Portrait von Fritz Dobisch im Linksprofil und auf dem großen Flachrelief eine Gruppe gepeinigter nackter Menschen als Hinweis auf das KZ Buchenwald, in dem Dobisch 1941 ermordet wurde. Die dritte Tafel ist mit einer Inschrift versehen. Eingeweiht wurde die Gedächtniswand zu Dobischs 50. Todestag im Jahr 1991.


"Johanna Kirchner", 1985, Clemens Strugalla, St. Johann, Rathaus Saarbrücken
Clemens Strugalla hatte bereits einige Jahre zuvor, 1985, die Portraitbüste von Johanna Kirchner modelliert, der Sozialdemokratin, die 1933 vor dem NS-Staat an die noch freie Saar geflohen war und sich unter anderem in der Flüchtlingshilfe engagierte hatte (hingerichtet 1944 in Plötzensee). Die Büste wurde auf dem ersten Absatz der Haupttreppe des Saarbrücker Rathauses aufgestellt. Vier große, farbig verglaste Maßwerkfenster heben diesen Bereich hervor. Die Glasbilder wurden 1952 von Wolfram Huschens entworfen und stellen die vier Elemente dar. In den unteren Teil der Maßwerkfenster sind jeweils drei kupfergetriebene Tafeln eingefügt. Auf ihnen sind die Namen der städtischen Bediensteten verzeichnet, die in den beiden Weltkriegen gefallen sind.


"Willi Graf", 2004, Hans Schröder, St. Johann, Rathaus Saarbrücken
Seit 2004 steht an dieser herausgehobenen Stelle des Rathauses eine zweite Büste: das Bronzeportrait von Willi Graf. Im Nachgang der ungewöhnlichen posthumen Verleihung der Ehrenbürgerwürde an den katholischen Saarbrücker Widerstandskämpfer 2003 wurde dieses Bildnis-Denkmal bei dem Saarbrücker Bildhauer Hans Schröder in Auftrag gegeben.


"Gedenkstätte Gestapo-Lager Neue Bremm", 2004, Neugestaltung Roland Poppensieker und Johannes Schulze Icking nach der Idee "Hotel der Erinnerung" von Nils Ballhausen und Roland Poppensieker (2000), Alt-Saarbrücken, Metzer Straße
Im Jahr 2004 konnte auch die erneuerte Gedenkstätte Neue Bremm eingeweiht werden. Ihre Neufassung war nicht nur durch den Wunsch nach einem würdigeren Erscheinungsbild der vernachlässigten Gedenkstätte angestoßen worden, sondern auch von dem Interesse getragen, den authentischen Ort künftig für beispielhafte Gedenk- und Erinnerungsarbeit, insbesondere im Hinblick auf die nachwachsende Generation, nutzen zu können.

Im Laufe der Jahre hatte sich nicht allein das Umfeld des "Gedächtnisplatzes" Neue Bremm grundlegend gewandelt, auch die ursprüngliche Konzeption der Gedenkstätte war durch unangemessene Eingriffe bis zur Unkenntlichkeit entstellt worden. Die Gedenkstätte liegt nun inmitten eines Gewerbegebietes, ist von Straßen und einem Autobahnzubringer umfangen, von Zweckbauten und Autostellplätzen bedrängt und durch die Abtretung von Grundstücksteilen deutlich verkleinert worden. Der Bezug zwischen Monument und "Gedächtnisplatz" ging verloren.

In die Wege geleitet wurde die Neufassung durch die "Initiative Neue Bremm", einem seit 1998 aktiven Zusammenschluss kulturell-politisch engagierter Bürger und Bürgerinnen. Vorbereitet wurden die Maßnahmen zur Neugestaltung durch zwei temporäre Kunstprojekte von Studierenden der HBKsaar in der Absicht, die Öffentlichkeit für die fast vergessene Gedenkstätte und ihren Erneuerungsbedarf zu sensibilisieren. Das "Wetterfernsehen – Telematische Skulptur der KZ-Gedenkstätte Neue Bremm" von Sandra Anstätt und Rolf Giegold (1999-2000) übertrug ein Standbild der Gedenkstätte auf Monitore an acht Standorten im öffentlichen Raum Saarbrückens, darunter in den Landtag, die Staatskanzlei, das Rathaus und die Ausstellung "Zehn statt 1000 Jahre" des Historischen Museums Saar am Schlossplatz. Aus der Performance "Ginsterlicht – Schlieren im Gesicht" von Gertrud Riethmüller (1999), der Titel spielt auf die Flurbezeichnung Bremm = Ginster an, entstand die Stahlplatte "will nicht narben", die inzwischen am Rande der Gedenkstätte ihre Aufstellung gefunden hat. Begleitet wurde die Neufassung durch wissenschaftliche Arbeiten zur Erforschung der Geschichte des Lagers und der Gedenkstätte, sowie durch eine breite Berichterstattung in den regionalen Medien.

Der Ideenwettbewerb, den die "Initiative" auslobte, sollte "Konzeptionen und Formen vorschlagen, in denen die Informationen zur Geschichte des Lagers und des Lagergeländes präsentiert und Bezüge zur städtischen Öffentlichkeit hergestellt werden können." Ausdrücklich sollte die Reduktion auf rituelles Gedenken vermieden werden. Zur Ausführung kam das weiterentwickelte Konzept "Hotel der Erinnerung" der Berliner Architekten Nils Ballhausen und Roland Poppensieker, die als einzige Wettbewerbsteilnehmer beide Teile des ehemaligen Lagers berücksichtigt hatten: neben dem Männerlager auch das in Vergessenheit geratene Frauenlager, das seit 1975 mit einem Hotelgebäude überbaut ist.

Der ausgeführte Entwurf "Hotel der Erinnerung" leistet im Wesentlichen vier Aufgaben: die erneute Einbindung der Gedenkstätte in die Metzer Straße, die erstmalige Einbeziehung des ehemaligen Frauenlagers, die Einrichtung eines Informationsbereichs und schließlich auch die Sicherung bzw. erneute Sichtbarmachung von Spuren auf dem verbliebenen Terrain des Männerlagers.
Um den "Gedächtnisplatz" von der Metzer Straße aus wieder kenntlich zu machen und hervorzuheben, wurde an dieser Seite des Männerlagers eine Mauer aus anthrazitfarbenem Sichtbeton errichtet. Circa 65 Meter lang und je nach Böschungshöhe 2,50 bis 3,00 Meter hoch, trägt sie zur Straße hin ein nachts elektrisch leuchtendes Schriftband. Die gewählte Wortfolge "HOSTAL HOSTILE HOTEL HOSTAGE GOSTIN OSTILE HOSTEL HOSTIL HOST" greift Worte auf, die sich aus der indoeuropäischen Wurzel *ghosti (lateinisch: hostis) ableiten. In ihrer positiven und negativen Bedeutung erscheinen sie im Wechsel und spielen assoziativ mit den darin zum Ausdruck kommenden gegensätzlichen Haltungen, mit denen damals im Lager den Menschen gegenübergetreten wurde (feindliche Gesinnung) und ihnen heute im Hotel begegnet wird (Gastfreundschaft). HOSTAL = spanisch: Gasthaus, Hotel; HOSTILE = französisch: feindlich, englisch: feindlich gesinnt; HOTEL = deutsch, englisch, französisch; HOSTAGE = englisch: Geisel; GOSTIN = Stamm slawischer Worte, z. B. GOSTINICA, im Russischen gebräuchlich für Hotel; OSTILE = italienisch: feindlich, feindselig; HOSTEL = englisch: Herberge; HOSTIL = spanisch und portugiesisch: feindlich, feindselig; HOST = englisch: Gastgeber, Wirt, tschechisch: Gast. Bei der Wahl von Form und Farbe der Buchstaben orientierten sich die Architekten an dem weithin sichtbaren Schriftzug des Hotels "Novotel". Seit der Übernahme durch die Mercure-Kette und dem geänderten Corporate Design der hoteleigenen Leuchtbuchstaben ist diese optische  Anspielung hinfällig geworden.

Im nördlichen Bereich knickt die Einfassungsmauer in Höhe des Monuments von André Sive leicht nach Westen ab und reagiert damit auf den ursprünglichen Bezug zwischen Gedenkstätte und "Bajonett". Zusätzlich wird durch die leichte Schrägstellung der Mauer das Schriftband für den aus Richtung Frankreich kommenden Verkehr besser lesbar. An ihrem südlichen Ende, dem Eingang zum "Gedächtnisplatz" an der Metzer Straße, ist die neue Begrenzungsmauer in Größe einer Plakatwand erhöht. Diese dient als Träger für ein historisches Foto, das mit einem besonderen Verfahren in den Beton gefräst wurde. Es zeigt das Nebeneinander von privater Idylle und anonymem Leiden auf der Neuen Bremm: eine junge Mutter und ihr Kind sowie ein kleiner Hund genießen das unbeschwerte Dasein auf einer sommerlicher Wiese – direkt neben dem mit Stacheldraht umgebenen Barackenlager. Die Wirkung dieser gefrästen "Plakatwand" ist vom Lichteinfall abhängig, der das Motiv in unterschiedlicher Deutlichkeit erscheinen lässt.

Durch die Neugestaltung wird nun auch das Grundstück des Frauenlagers berücksichtigt und an das Leid der Frauen erinnert. Eine beleuchtete Fußgängertreppe vermittelt zwischen dem "Gedächtnisplatz" und dem tiefer liegenden Hotel-Parkplatz. Seitlich der Treppe in der Böschung angelegte Stufenwellen aus Rasen sind als Auditorium für Besuchergruppen gedacht, die von diesem Blickpunkt aus den überbauten Teil des Lagers in Augenschein nehmen können. Als Hinweis auf die Frauenabteilung wurde stellvertretend für alle weiblichen Häftlinge an der Hotelfassade das Bildnis von Yvonne Bermann appliziert, die am 6. Juni 1944 aus Frankreich zum Lager Neue Bremm transportiert wurde. Als Untergrund für das Portrait-Medaillon dient ein rundes Element der Fassadenverkleidung. Im Foyer des Hotels schließlich klären zwei Informationstafeln über das Lager und seine Geschichte auf.

Auf dem "Gedächtnisplatz", dem Rest des ehemaligen Männerlagers, entstand ein Rezeptionsbereich. Entlang der neuen Begrenzungsmauer zur Metzer Straße wurde ein Band von metallenen Informationstafeln montiert. In deutscher und französischer Sprache wird hier in Wort und Bild und auf aktuellem Stand der Forschung insbesondere die Geschichte des "Erweiterten Polizeigefängnisses" Neue Bremm dokumentiert und die Rezeptionsgeschichte anhand der Veränderungen des Lagergeländes 1945 bis 2004 thematisiert. Hier trifft man erneut auf das Portrait von Yvonne Bermann, deren Schicksal als Opfer der NS-Gewaltherrschaft in dem Kapitel über die Häftlinge geschildert wird. Auch das Foto der privaten Idylle auf der "Plakatwand" wird unter dem Aspekt "vor Aller Augen" wieder aufgegriffen und erklärt. Breiten Raum innerhalb der historischen Darstellung nimmt nicht zuletzt das Thema Täter ein, das für das Lager Neue Bremm anhand der Akten der Gerichtsprozesse von 1946 und 1947 wissenschaftlich erarbeitet werden konnte.

Die Lagerbaracken, deren Reste unter der Oberfläche des verbliebenen Lagergeländes liegen, wurden durch Stahlbänder wieder sichtbar gemacht. Die Wiederaufnahme der französischen Konzeption von 1947, die Fundamente zu zeigen, war aus konservatorischen Gründen nicht möglich. Im Übrigen sieht das Konzept der Neugestaltung vor, den Zustand, der sich im Laufe der Jahrzehnte auf dem "Gedächtnisplatz" ergeben hat, weitgehend zu belassen und die einzelnen Bestandteile "als Dokumente des Umgangs der deutschen Nachkriegsgesellschaft mit ihrer Vergangenheit (zu) erhalten." Am 7. Juli 2004 wurde der neugestaltete "Gedächtnisplatz" von 1947 als "Gedenkstätte Gestapo-Lager Neue Bremm" feierlich eingeweiht.

Da nach der Intention der "Initiative Neue Bremm" mit dem Abschluss der Neugestaltung keineswegs auch die Erinnerungsarbeit abgeschlossen sein sollte, wurde die Gedenkstätte Neue Bremm Ausgangspunkt für erinnerungskulturelles Engagement. In diesem Zusammenhang ist die pädagogisch-didaktische Arbeit mit Jugendlichen zu nennen, deren Organisation und Koordination der Landeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien anvertraut wurde. Kontinuierlich werden Handreichungen und Publikationen in Form von Flyern und Broschüren erarbeitet und publiziert. Eine mehrsprachige Seite zum Gestapo-Lager Neue Bremm ist im Internet verfügbar (www.gestapo-lager-neue-bremm.de). Ebenfalls im Internet gibt es das interaktive Angebot "Erinnert Euch!", das Erinnerungsorte und Gedenkstätten über Widerstand und Verfolgung während der NS-Zeit im gesamten Saarland beschreibt (www.erinnert-euch.de). Und nicht zuletzt ist auch die weitergehende Forschungsarbeit hervorzuheben, insbesondere die Fortschreibung der Häftlingsdatenbank, die seit 2002 bei der Landeszentrale für politische Bildung Saarland geführt wird.


"Stolpersteine – Hier wohnte 1933-1945 – Ein Kunstprojekt für Europa", Gunter Demnig
2010, Am Staden 30 – Leo Cahn; Dudweilerstraße 26-30 – Sophronie Herz; Graf-Johann-Straße 3 – Hugo, Edith und Paul Kahn; Großherzog-Friedrich-Straße 12 – Hilde Itzkowitz und Sally Strauss; Großherzog-Friedrich-Straße 61 – Moritz, Wanda, Egon und Vales Davidson; Karcherstraße 11 – Max Haymann; Karcherstraße 17 – Max Hanau; Lortzingstraße 18 – Herbert und Olga Fürst; Mainzer Straße 35 – Georg, Herta, Evelyne und Marion Kaempfer; Nauwieserplatz 11/13 – Heinz Henry und Lotte Bonem; Rathausplatz 7 – Emilie Kaiser und Paula Loeb; Riottestraße 14 – Dilla Cahn; Ursulinenstraße 24 / Mozartstraße – Salomon und Ida Blum, Ernst und Erna Peiser
2011, vor dem Rathaus St. Johann – Fritz Dobisch, Peter Roth und Wendel  Schorr
2012, Bahnhofstraße 95 – Johanna Kirchner

Der Wunsch, der in der angestrebten vollständigen Erfassung aller Häftlinge des Lagers Neue Bremm zum Ausdruck kommt, nämlich auch bisher unbeachteten und unbekannten Opfern der national-sozialistischen Gewaltherrschaft Name und Biographie "zurückzugeben", findet sich bereits in dem 1995 begonnenen Projekt "Stolpersteine". In dieses europaweit sich ausdehnende "Mosaik einer umfassenden Erinnerungslandschaft", wie die Berliner Kunsthistorikerin Stefanie Endlich die Idee charakterisiert, ist auch die Landeshauptstadt Saarbrücken eingebunden. An verschiedenen Stellen im Stadtraum von Saarbrücken-St. Johann markieren seit März 2010 kleine, quadratische, mit Inschriften versehene Messingplatten, die in das Trottoir vor dem Hauseingang eingelassen sind, die letzten frei gewählten Wohnstätten von Menschen, die von dem nationalsozialistischen Regime verfolgt wurden. Diese "Stolpersteine" sind Bestandteil des dezentralen Monuments "Stolpersteine – Hier wohnte 1933-1945 – Ein Kunstprojekt für Europa" des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Seit den ersten, noch illegalen Verlegungen 1995/96 in Köln und Berlin hat Demnig inzwischen in allen Ländern der Bundesrepublik Deutschland und in neun weiteren europäischen Staaten "Stolpersteine" in Bürgersteige eingebettet, bisher über 32.000 Stück in über 700 Orten (Stand Ende 2011, nach Angaben des Ateliers Demnig). "Stolpersteine" ist ein work in progress, dessen "Schlussstein" nicht abzusehen ist.

Ähnlich wie Jochen Gerz mit "2145 Steine – Mahnmal gegen Rassismus" konzipierte auch Gunter Demnig mit "Stolpersteine" einen Gegenentwurf zu dem klassischen, aufragenden Denkmalmonument, konzentrierte sich auf die ebene Fläche und griff auf die alte Form des Straßenpflasters zurück. Während Gerz vorhandene Pflastersteine an ihrer Unterseite, die dem Passanten verborgen bleibt, beschriftete, ersetzt Demnig vorhandene Pflastersteine durch selbst gefertigte Pflastersteine aus Beton, deren Oberflächen mit den gold schimmernden, beschrifteten Messingplatten die Blicke der Passanten anziehen sollen. Der Fußgänger soll im übertragenen Sinn über den "Stolperstein" stolpern und einen Anstoß für Erinnerung und Gedenken erhalten.

Im Unterschied zu dem "Unsichtbaren Mahnmal" gilt das Gedenken des Kunstprojekts "Stolpersteine" keiner bestimmten Opfergruppe und ist nicht an einer zentralen Stelle verortet. Im Fokus steht das Individuum und der konkrete, höchst individuelle Ort, die Schwelle zum Haus, zum Arbeitsplatz, zur Wohnung. Die Verletzung der Privatsphäre durch die staatlichen Verfolgungsbehörden war der Beginn eines Leidensweges, der in Gefängnisse und Lager und millionenfach in den Tod führte.

Angefertigt werden die einheitlich gestalteten "Stolpersteine" für Menschen aller Opfergruppen. Durch die Inschrift ist jeder "Stolperstein" personenbezogen. Genannt werden der Name und das Geburtsjahr, Daten zu Verhaftung, Flucht, Deportation, Namen von Fluchtort, Internierungs-, Konzentrations- und Vernichtungslager, Todesdatum, Todesumstände... Bei jedem "Stolperstein" müssen die Daten für die Inschrift ermittelt werden. Die Recherchearbeit leisten die Stifter und Paten, welche die "Stolpersteine" initiieren, beim Atelier Demnig in Auftrag geben und die Kosten übernehmen. Dieser partizipatorische Ansatz veranlasst die Initiatoren, aktiv zu werden, sich zu informieren, zu forschen, sich mit der Person, ihrem Schicksal und der Zeit des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Initiatoren sind zumeist Hausbewohner, Heimatforscher, Lehrer, Schulklassen, Vereine, Kirchengemeinden und in zunehmendem Maße auch Angehörige.

Vorläufiger Endpunkt der Beschäftigung und Auseinandersetzung mit der zu erinnernden Person ist die Verlegung des "Stolpersteins". Dazu bedarf es der Genehmigung der Gemeinde, der Abstimmung mit der örtlichen Baubehörde und der Koordination mit dem Atelier Demnig in Köln. Die Verlegung des "Stolpersteins" durch Gunter Demnig ist ein künstlerischer Akt. Der "Stolperstein" wird zumeist in der Nähe des Gebäudeeingangs plan in den Bürgersteig eingelassen und einbetoniert. In vielen Fällen ist die Verlegung mit einer kleinen Feier verbunden, oftmals ergänzt durch Vorträge und Ausstellungen über die Erinnerten. Mit der Verlegung im öffentlichen Raum wird der "Stolperstein" von den Stiftern der Stadt oder der Gemeinde geschenkt und geht in öffentlichen Besitz über.
 
Auch nach der Verlegung kann die Beschäftigung mit der oder den Personen weitergehen. Die Forschungen können vertieft und ausgeweitet, die stumpf gewordenen Messingplatten an Gedenktagen gereinigt oder regelmäßig von Putzpaten gepflegt, Stadtführungen zu den "Stolpersteinen" angeboten werden. Eine weitere Ebene des Projekts "Stolpersteine" sollte die Dokumentation sein – nicht zuletzt deswegen, um denjenigen, die nicht in das Projekt einbezogen waren, aber im öffentlichen Raum auf einen "Stolperstein" gestoßen sind, die Möglichkeit zu geben, sich über seine Bedeutung zu informieren.

In Saarbrücken verlegte Gunter Demnig die ersten "Stolpersteine" im März 2010. Die Initiative ging von dem Vorsitzenden der Synagogengemeinde aus und wurde von der Stadt aufgenommen. Es wurden 28 Personen – Männer, Frauen, Kinder – ausgewählt, die wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt und ermordet wurden. Alle hatten vor ihrer Flucht, Zwangsumsiedlung oder Deportation in Saarbrücken-St. Johann gewohnt, viele waren in Saarbrücken geboren. Nähere biografische Angaben sind über die Internet-Seite der Stadt Saarbrücken (www.saarbrücken.de) und hier im Kunstlexikon-Saar verfügbar.

Die nächsten drei "Stolpersteine" setzte Gunter Demnig im April 2011. Dieses Mal ging die Initiative von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes VVN – Bund der Antifaschisten Saar e.V. aus. Eingebettet in das Pflaster vor dem Rathaus, erinnern die "Stolpersteine" an drei Mitglieder des Saarbrücker Stadtrates, die der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zum Opfer fielen.

Einen weiteren "Stolperstein" verlegte Gunter Demnig im Juli 2012 unter der Arkade des Hauses Bahnhofstraße 80. Die Inschrift erinnert an die Sozialdemokratin, Mitbegründerin der Arbeiterwohlfahrt und Widerstandskämpferin Johanna Kirchner. (Da bei der Recherche nicht bedacht worden war, dass die Nummerierung der Bahnhofstraße seit 1935/36 geändert ist, wurde im Jahr 2013 der "Stolperstein" vor das Haus Nr. 95, die alte Nr. 80, umgebettet und damit der Fehler korrigiert.)


"Erinnerungsort Rabbiner-Rülf-Platz" mit dem Denkmal für die ermordeten saarländischen Juden "Der unterbrochene Wald" von Ariel Auslender, 2013, St. Johann, Rabbiner-Rülf-Platz
Lange tat sich das Bundesland Saarland und die Stadt Saarbrücken schwer, dem Andenken der während der NS-Gewaltherrschaft ermordeten jüdischen Männer, Frauen und Kinder ein öffentliches Gedenkzeichen zu setzen. Es war dann die Landeshauptstadt Saarbrücken, die den Gedanken der Synagogengemeinde Saar „... ein zentraler Erinnerungsort kann nur in der Landeshauptstadt errichtet werden“ aufgriff. Zu diesem Zeitpunkt war es bereits beschlossen, das bis dahin namenlose und neu zu gestaltende Areal am Ende der Berliner Promenade vor dem SaarCenter nach dem Rabbiner und Lehrer Dr. Friedrich Schlomo Rülf zu benennen. Rülf, von 1929 bis zu seiner Emigration im Januar 1935 Rabbiner der jüdischen Gemeinde Saarbrücken, war maßgeblich beteiligt am Zustandekommen des "Römischen Abkommens" zwischen dem Völkerbund und der Reichsregierung, das den Bewohnern des Saargebiets bis zum 29. Februar 1936 ohne Rücksicht auf ihre Staatsangehörigkeit keine Schlechterstellung wegen ihrer Sprache, Rasse oder Religion garantierte - ein Abkommen, das vielen Menschen das Leben gerettet hat. Nach dem Ende von Verfolgung und Krieg kehrte Rabbiner Rülf 1951 für ein Jahr nach Saarbrücken zurück, half beim Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde und hielt die Einweihungspredigt in der neuen Synagoge.

Der neu entstandene Rabbiner-Rülf-Platz wurde als Standort für das zentrale Erinnerungsmal für die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ermordeten saarländischen Juden ausgewählt. Am 12. November 2013, 75 Jahre nach der Zerstörung der Saarbrücker Synagoge, konnte die Skulpturengruppe "Der unterbrochene Wald" des Darmstädter Bildhauers Ariel Auslender der Öffentlichkeit übergeben werden. Auslenders Entwurf war von der Jury eines eingeladenen Künstlerwettbewerbs ausgewählt und vom Stadtrat Saarbrücken zur Umsetzung beschlossen worden. Die Arbeit besteht aus 40 in Bronze gegossenen Baumstämmen, die alle willkürlich gekappt sind. Verwoben mit der neuen Baumbepflanzung, einem natürlichen Wald, zieht sich „Der unterbrochene Wald“, ein künstlicher Wald, über den Rabbiner-Rülf-Platz bis auf die oberen Stufen der neuen, zum Saarufer herunter führenden Freitreppe hin. Während die lebendigen Bäume weiter wachsen und sich verändern werden, werden die bronzenen Baumstämme unverändert in ihrer gewaltsam herbeigeführten Unterbrechung verharren – Sinnbild für die Zerstörung der jüdischen Gemeinden des Saarlandes während der NS-Gewaltherrschaft.

Oranna Dimmig


Literaturauswahl

Allgemein

  • Zehn statt tausend Jahre. Die Zeit des Nationalsozialismus an der Saar (1935-1945). Ausstellungskatalog des Regionalgeschichtlichen Museums im Saarbrücker Schloss. Saarbrücken 1988
  • Hermann Volk: Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu den Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Bd. 4, Saarland. Köln 1990
  • Alternativer Stadtführer Saarbrücken 1933-1945. Saarbrücken o. J. (1990)
  • Christoph Heinrich: Strategien des Erinnerns. Der veränderte Denkmalbegriff in der Kunst der achtziger Jahre. München 1993
  • Ulrike Puvogel und Martin Stankowski: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage Bonn 1995
  • Jo Enzweiler (Hg.): Kunst im öffentlichen Raum Saarland. Bd. 1, Saarbrücken, Bezirk Mitte 1945 bis 1996. Saarbrücken 1997
  • Armin Flender: Öffentliche Erinnerungskultur im Saarland nach dem Zweiten Weltkrieg. Untersuchungen über den Zusammenhang von Geschichte und Identität. Baden-Baden 1998

Gedenkstätte Gestapolager Neue Bremm

  • Elisabeth Thalhofer: Neue Bremm – Terrorstätte der Gestapo. Ein Erweitertes Polizeigefängnis und seine Täter 1943-1944. 1. Auflage St. Ingbert 2002; 3. Auflage St. Ingbert 2004
  • Oranna Dimmig: "dass es so der Zukunft erhalten bleibe..." Über das Lagergelände und die Gedenkstätte Neue Bremm in Saarbrücken, insbesondere ihre Veränderungen und die Neugestaltung nach der Idee ‚Hotel der Erinnerung‘. In: Mitteilungen 12, 2004
  • Burkhard Jellonnek: "Die Hölle von Saarbrücken". Geschichte des Gestapo-Lagers Neue Bremm an der deutsch-französischen Grenze. Saarbrücken 2008

2146 Steine. Mahnmal gegen Rassismus

  • Mahnmal gegen Rassismus, Stadtverband Saarbrücken, Regionalgeschichtliches Museum (Hg.): 2146 Steine. Mahnmal gegen Rassismus Saarbrücken. Jochen Gerz. Stuttgart 1993
  • Uwe Loebens: Ein Exempel wird statuiert. Jochen Gerz und das Mahnmal gegen den Rassismus vor dem Saarbrücker Schloß. In: Jo Enzweiler (Hg.): Kunst im öffentlichen Raum Saarland. Bd. 1, Saarbrücken 1997, S. 109-113

Stolpersteine

  • Stolpersteine für die von den Nazis ermordeten ehemaligen Nachbarn aus Friedrichshain und Kreuzberg. Dokumente, Texte, Materialien. Hg. Neue Gesellschaft für Bildende Kunst e.V. in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin. Berlin 2002
  • NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln (Hg.): Stolpersteine. Gunter Demnig und sein Projekt. Köln 2007
  • Brinda Sommer: Gesellschaftliches Erinnern an den Nationalsozialismus: Stolpersteine wider das Vergessen. Berlin 2007 (Mitteilungen und Berichte aus dem Institut für Museumsforschung, 41)
  • Oranna Dimmig: "Stolpersteine – Hier wohnte 1933-1945 – Ein Kunstprojekt für Europa" von Gunter Demnig. Zeichen der Erinnerung an Verfolgte des Nationalsozialismus im öffentlichen Raum des Kreises St. Wendel. In: Jo Enzweiler (Hg.): Kunst im öffentlichen Raum Saarland, Band 4, Landkreis St. Wendel, 1945 bis 2012. Aufsätze und Bestandsaufnahme. Bearbeitet von Margartete Wagner-Grill. Saarbrücken 2013, S. 68-75

Erinnerungsort Rabbiner-Rülf-Platz

  • Erinnerungsort Rabbiner-Rülf-Platz Saarbrücken. Hg. vom Kulturdezernat der Landeshauptstadt Saarbrücken, Beigeordneter Erik Schrader und Institut für aktuelle Kunst, Jo Enzweiler. Saarbrücken 2013 (= Wettbewerbe Kunst im öffentlichen Raum im Saarland, Band 6)