Institut für aktuelle Kunst

Günther Mönke
Achtklassige Volksschule in Ottweiler, Stadtteil Neumünster, 1953/54
Modell Montanunionstadt Saarbrücken, 1954, nicht realisiert
Gemeindezentrum der Evangelischen Paulus-Kirchengemeinde, Bad Kreuznach, 1967
18-klassige Volksschule in Homburg, Stadtteil Sonnenfeld, Modell, 1958
Kreissparkasse Homburg, 1960
Kreiskrankenhaus Merzig, 1961
Evangelische Kirche in Mettlach, 1962
Evangelische Kirche in Mettlach, 1962
Gemeindezentrum der Evangelischen ­Matthäus-­Kirchengemeinde, Bad Kreuznach, 1964
Universität des Saarlandes, Institutsgebäude Mathematik mit Hörsaalgebäude, 1965
Evangelische Kirche in Hangard, 1966
Evangelische Kirche in Hangard, 1966
Vorentwurf zum Forschungszentrum »European Synchroton Radition Facility« ESRF, Homburg, 1984
Cape Town, Südafrika, Nationales Friedensmonument, Entwurf, 1995
Von Günther Mönke entwickeltes Signet für die HTW Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes

Mönke, Günther

Architekt
geboren 1923 in Nauen/Osthavelland
Kategorie: Architektur

Künstler und Werk

»Ich wollte immer Lehrer werden«, äußerte Prof. Günther Mönke einmal, kein Schullehrer, sondern jemand, der jungen Menschen die architektonischen Grundlagen vermittelt. Es ist ihm länger als ein halbes Jahrhundert erfolgreich gelungen. Mit 24 Jahren hatte Mönke die »Frechheit«, wie er selber formulierte, sich in Saarbrücken als Dozent zu bewerben. Zwar konnte er ein ab­geschlossenes Hochschulstudium nach­weisen, aber Bauerfahrung fehlte ihm. Da aber kein anderer geeigneter Be­werber zu finden war, bekam Mönke im Herbst 1947 die Stelle als Dozent für »Baukonstruktion«, »Darstellende Geometrie« und »Schriftzeichnen« an der Höheren Technischen Lehranstalt, HTL, in Saarbrücken. Zunächst wurde er ­stundenweise bezahlt, dann wechselte er ins Angestelltenverhältnis und wurde schließlich verbeamtet und zum Professor ernannt.

Günther Mönke, Jahrgang 1923, wuchs in der brandenburgischen Kleinstadt Nauen als Sohn eines Eisenbahners auf. ­Während des Arbeitsdienstes zog er sich eine schwere Krankheit zu, die ihn von weiteren militärischen Aufgaben befreite. Er galt als Kriegsversehrter und konnte während des 2. Weltkrieges von 1941 bis 1945 Architektur an der TU Berlin studieren. (Studienbedingungen und die spätere Flucht aus der russisch besetzten Zone nach München beschreibt er eindringlich in seiner Autobiografie »Wie in einer Rumpelkammer«, die er 2006 als Buch veröffentlichte.)

Obwohl es ihm gelang, eine Sommer-Anstellung – sein Arbeitsplatz war in einer nicht heizbaren Gartenlaube – bei dem damals renommierten Prof. Bergtholdt zu erhalten, zählte Mönke sich in München zu den »Hungerleidern«. Auch deshalb war die Saarbrücker Anstellung für ihn ein Glücksfall. Die geforderte fünfjährige Praxiserfahrung erwarb Mönke dann nebenberuflich beim Architekten Erich Bohne.

Mönke berichtet in dem nun folgenden Interview von seinem Unterricht an der 1946 eröffneten »Höheren Technischen Lehranstalt« (»école supérieur technique de la Sarre«), die 1956 in »Staatliche Ingenieurschule des Saarlandes«, 1971 in »Fachhochschule des Saarlandes« umbenannt wurde, bis in die Zeit der heutigen »Hochschule für Technik und Wirtschaft«, HTW. Er erzählt von Kollegen und Ereignissen. Vor allem aber legt er sein pädagogisches Konzept dar, seine ­Versuche, den Studierenden die fach­lichen Grundlagen nahezubringen. Dabei halfen ihm insbesondere seine Tafelbilder mit Baukonstruktions­aufgaben oder solchen aus der Darstellenden Geometrie. Er entwickelte sie jede Stunde erneut im Maßstab 10 :1 an der Tafel, während die Studierenden sie Schritt für Schritt im kleineren Maßstab nachvollziehen mussten.

Seine Überzeugung von Architektur als Bau- und Raumgestaltung ließ sich damit aber nicht hinreichend in die Lehre einbringen. Erst in den letzten zehn Jahren seiner Tätigkeit – Mönke ging 2001 in den Ruhestand – konnte er seine Wunschvorstellung von Architekturlehre realisieren und eine Veranstaltung über architek­tonisches Gestalten anbieten. Um die ­riesige Stoffmenge zu strukturieren, entwickelte er durchgehend an­wendbare Prinzipien, etwa das Prinzip des »gestalteten Raumes«, der »Zusammenhänge«, des »Maßstabs« oder der »Differenzierung«. Mit diesen Grundlagen beschäftigt sich der heute 85-jährige immer noch. Als Ersatz für fehlende Studenten suchte sich Mönke eine fiktive Schülerin, eine Briefpartnerin, die er mit Hilfe seiner »Architektur in Briefen« unterrichtet. Auch daraus soll ein Buch entstehen. Dieses Interview ist auch eine eindring­liche Schilderung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse in den ersten Nachkriegsjahrzehnten sowohl der Münchener, hauptsächlich aber der Saarbrücker Zeit.

In Absprache mit Erich Bohne beteiligte sich Mönke an Wettbewerben und mit seinem ersten Gewinn machte er sich selbständig, eröffnete ein Büro als freischaffender Architekt in leerstehenden Räumen der Schule. Zunächst arbeitete er allein, dann, bis Mitte der 1980er Jahre, 20 Jahre lang in Partnerschaft mit Hubertus Wandel.

Obwohl Mönke der Überzeugung ist, dass ein Architekt umso besser wird, je mehr er baut, stand für ihn die Lehre immer im Vordergrund. Er gab sie nie auf. So blieb ihm nur beschränkte Zeit für die eigene Bautätigkeit, einer für ihn dennoch wesentlichen Arbeit. Sie fördert die Lehre.

Mönkes freiberufliche praktische Arbeit begann mit der Volksschule in Ottweiler, die er wegen des schwierigen Geländes in mehrere Häuser auflöste. Im Kleinschulhaus, wie er es nannte, befanden sich die Klassen der Erstklässler, die damit noch ein wenig vom allgemeinen Schulgetriebe abgeschottet wurden. Ein überdachter Gang, gleichzeitig Pausenhalle, verbindet die Bauten. Zeichnet sich diese Schule noch durch ein Satteldach aus, charakterisiert die einige Jahre später errichtete, sehr viel größere Volksschule in Homburg das flache Dach und eine Rasterfassade. Sie ist aufgelöst in einzelne Klassentrakte, die sich kammartig an einen »Verkehrsstrang«, die ­Pausenhalle, andocken.

Mönke baute zwei weitere Schulen in Nunkirchen und Besseringen, die Kreissparkasse in Homburg, vor allem aber war er für die evangelische Kirche tätig und errichtete kirchliche Gemeindezentren und Kirchen.

Bekannt und seit einigen Jahren unter Denkmalschutz stehend sind vor allem seine Kirchen in Mettlach und Hangard, die jeweils in einer kaum vergleichbaren Formensprache entworfen wurden: Mettlach, ein von der Geometrie – einem gleichseitigen Dreieck – bestimmtes Zelt, Hangard ein bewegt plastischer Baukörper. Diese Baugestaltungen sind nicht willkürlich, sondern entwickeln sich aus dem umgebenden Landschaftsraum, mit dem sie in engem Zusammenhang stehen. Zudem unterliegen beide den Mönke`schen Grundprinzipien. Und beide sind eindringliche Zeugnisse seiner architektonischen Vorstellungen – der Schaffung eines erlebbaren Raumes, in dem sich der Mensch geborgen fühlt und liturgisch-symbolische Zusammenhänge erfassen kann. Über Entstehungsgeschichte und Konstruktion berichtet der Architekt ausführlich in diesem Interview.

1980 erbaut das Büro Mönke-Wandel das Gemeindehaus der evangelischen Kirche in Schaffhausen.

1998 erhielt Mönke den Auftrag, das provisorische Dach des kriegszerstörten Turmes der alten Kirche wieder durch eine »barocke« Haube zu ersetzen. 

Günther Mönke rekonstruierte sie nach Abbildungen und alten Fotos, nutzte zur Umsetzung jedoch eine moderne Stahlkonstruktion.

Einige von Mönkes Projekten konnten nicht realisiert werden. Mit Wehmut denkt er an seinen Entwurf für ein Nationaldenkmal in Südafrika – eine Hommage an die Freiheit –, das er auf einem Felsenvorsprung am Meer nahe Kapstadt errichten wollte. Aber seine Idee lässt sich an den für Mönke typischen Entwurfszeichnungen nachvollziehen. Er konzipiert seine Bauaufgaben immer mit Hilfe von Freihandzeichnungen. Auch greift er bei all seinen Reisen zu Bleistift-, Kohle- oder Tusche und hält Ortsbilder und Menschen, räumliche Atmosphären und Situationen fest.

Marlen Dittmann


Kirchen und Gemeindezentren

  • 1956
    Evangelische Kirche in Stennweiler, 1. Preis im beschränkten Architekten­wettbewerb. Erbaut 1957-58
  • 1959
    Evangelisches Gemeindezentrum ­Saarbrücken, Knappenroth (Kirche, Kindergarten mit Gemeindesaal im Untergeschoss, Pfarrhaus), 1. Preis im Wettbewerb. Realisierung Kindergarten mit ­Gemeindesaal 1960-61. Mitarbeiter: Gerd Boskamp, Elmar Scherer
  • 1961
    Evangelische Kirche in Mettlach mit Gemeindesaal im Untergeschoss. Erbaut 1961-62. Glasfenster: ­Ferdinand Selgrad. Seit 2003 Baudenkmal
  • 1963
    Evangelische Kirche in Mainzweiler. Erbaut 1963-64. Mitarbeiter: Gerd Vieler
  • 1964
    Gemeindehaus in Dirmingen. Mitarbeiter: Dieter Lothschütz
  • Gemeindezentrum der Evangelischen ­Matthäus-­Kirchengemeinde, Bad Kreuznach (Kirche, Gemeindehaus, Pfarrhaus, ­Mitarbeiterwohnhaus), 1. Preis in beschränktem Architektenwettbewerb. Erbaut 1965-68. Günther Mönke mit Hubertus Wandel
  • 1966
    Evangelische Kirche in Hangard. Erbaut 1965-66. Glasfenster: Ferdinand Selgrad
  • 1967
    Gemeindezentrum der Evangelischen Paulus-Kirchengemeinde, Bad Kreuznach (Gemeindehaus, Verwaltungsgebäude des Kirchenkreises, Kindergarten), 1. Preis im beschränkten Archi­tekten­wettbewerb. Erbaut 1969-71. Günther Mönke mit Hubertus Wandel, Mitarbeiter: Karl Heinz Benkert, Hans Dieter Dahmen
  • 1978
    Gemeindehaus der Evangelischen ­Kirchengemeinde Schaffhausen, 1. Preis im beschränkten Architektenwettbewerb. Erbaut 1980-81. Günther Mönke mit Hubertus Wandel, Mitarbeiter: Mario Morschett, Ferdinand Quack
  • 1981
    Gemeindehaus der Evangelischen ­Kirchengemeinde Sulzbach, 1. Preis im beschränkten Architektenwettbewerb. Erbaut 1983-84. Günther Mönke mit Hubertus Wandel, Mitarbeiter: Bruno Raber, Susanne Schneider
  • 1995
    Rekonstruktion des kriegszerstörten ­Turm­­helmes der Evangelischen Kirche Schaffhausen, Wiedererrichtung 1998

Biografie

  • 1923
    geboren in Nauen/Osthavelland
  • 1941
    Abitur
  • 1941-42
    Reichsarbeitsdienst, versehrt entlassen
  • 1942-45
    Studium der Architektur an der Technischen Hochschule Berlin, Diplomprüfung
  • 1945-47
    Architekt im Angestelltenverhältnis, ­Mitarbeiter bei Prof. Bergtholdt in München
  • 1948
    Beginn der Lehrtätigkeit an der Höheren Technischen Lehranstalt, nachfolgend ­Fachhochschule, nachfolgend Hochschule für ­Technik und Wirtschaft des Saarlandes
  • 1949-51
    Freier Mitarbeiter bei Architekt Dipl.-Ing. Erich Bohne, Saarbrücken
  • 1952-96
    Freischaffender Architekt
  • 1959-82
    Ehrenamtliche Tätigkeit als Mitglied in Ausschüssen der ­Architektenkammer des Saarlandes
  • 1960-80
    Partnerschaft mit Dipl.-Ing. Hubertus Wandel, Architekt
  • 1971-81
    Ehrenamtliche Tätigkeit als Mitglied des Bauausschusses der ­Evangelischen Kirche im Rheinland
  • 1974
    Ernennung zum Professor
  • 1986-88
    Ehrenamtliche Tätigkeit als Mitglied des Landesdenkmal­rates des ­Saarlandes
  • 1988
    Emeritierung
  • 1988-2000
    Fortsetzung der Lehrtätigkeit als ­Lehrbeauftragter

Bauten

  • 1950
    Einfamilienhaus Dr. Gerdes-Götz Saarbrücken
  • 1951
    Einfamilienhaus Zang Saarbrücken
  • 1954
    Einfamilienhaus Jakoby Saarbrücken
  • 1956
    Einfamilienhaus Lehnert Ottweiler
  • 1959
    Einfamilienhaus Arthur Bähr Saarbrücken
  • 1961
    Einfamilienhaus Alfred Bähr Saarbrücken
  • 1962
    Einfamilienhaus Böhmer Saarbrücken
  • 1963
    Mehrfamilienhaus Mönke-Wandel Saarbrücken
  • 1965
    Mehrfamilienhaus Schroth Saarbrücken

Schulgebäude

  • 1953
    Achtklassige Volksschule in Ottweiler, Stadtteil Neumünster, 1. Preis im Architektenwettbewerb Erbaut 1953-54
  • 1956
    Achtklassige Volksschule in Besseringen
  • 1958
    18-klassige Volksschule in Homburg, Stadtteil Sonnenfeld (mit Turnhalle und Lehrschwimmbecken), 1. Preis im Architektenwettbewerb. Mitarbeiter: Elmar Scherer. Realisiert durch das Stadtbauamt ­Homburg
  • 1960
    Kreisrealschule in Homburg, 2. Preis im Architektenwettbewerb Erbaut 1960-63. Mitarbeiter: Gerd Boskamp, ­Elmar Scherer, Bauleitung: Kreisbauamtmann Quien
  • Berufsschule in Nunkirchen, 1. Preis im Architektenwettbewerb Erbaut 1960-61. Mitarbeiter: Elmar Scherer, Bauleitung: Robert Schulz, Nunkirchen
  • 1965
    Universität des Saarlandes, Instituts­gebäude Mathematik mit Hörsaal­gebäude. Erbaut 1965-66. Günther Mönke mit Hubertus Wandel, Mitarbeiter: Elmar Scherer
  • Institutsgebäude Physik II, Universität des Saarlandes. Mitarbeiter: Ferdinand Quack

Betriebsgebäude

  • 1955
    Bettfedernfabrik Epple&Hopp, Saarbrücken, Mitarbeiter: Thomas Kreutzer
  • 1958
    Geschäftshaus BEA Baugesellschaft für Elektrische Anlagen, Saarbrücken
  • 1959
    Armaturenfabrik Arthur Bähr, Saarbrücken
  • 1960
    Kreissparkasse Homburg , 1. Preis im beschränkten Architekten­wettbewerb. Erbaut 1962-63, erweitert 1973 und 1980. In Arbeitsgemeinschaft mit den Architekten Herbert Lück und Emil Hery, Homburg, Mitarbeiter: Gerd Boskamp
  • 1961
    Kreiskrankenhaus Merzig, 1. Preis in einem Architektenwettbewerb Erbaut 1961-63. Günther Mönke und Konny Schmitz, Baudurchführung und Bauleitung: Konny Schmitz

Nicht realisierte Projekte

  • 1954
    Montanunionstadt Saarbrücken, 4. Platz in einem internationalen ­Architektenwettbewerb (aus sechs europäischen Ländern)
  • 1984
    Vorentwurf zum Forschungszentrum »European Synchroton Radition Facility« ESRF, Homburg. Physikalisch-technische Grundlagen: Prof. Dr. Stefan Hüfner, Universität des Saarlandes
  • 1995
    Entwurf für ein Nationales Freiheits­denkmal der Republik Südafrika

Bibliografie: Eigene Schriften

  • Wie in einer Rumpelkammer. Autobiografie. Saarbrücken 2006
  • Architektur in Briefen. Ein Briefwechsel über die Prinzipien architektonischen Gestaltens. BoD Buchshop, 2012

Bibliografie: Sammelschriften

  • Vom Kirchbau zum Gemeindehaus. In: Das Saarlandbuch. Saarbrücken 1981
  • Barbaras Boshaftes ABC. Buchillustrationen. Regensburg 2007
  • Was hat aber diese Geschichte mit dem Architekten zu tun? György Lehoczky aus der Sicht
  • eines Kollegen. In: György Lehoczky – Leben und Werk. Saarbrücken 2010, S. 127-135

Quelle

Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Archiv, Bestand: Mönke Günther (Dossier 9434)

Leihgebühren

Privatpersonen Schüler und Studenten Praxen, Kanzleien, gewerbliche Einrichtungen und Firmen
je Kunstwerk 30 € 15 € 50 €
Künstlerplakate und Werke mit max. 40 cm Breite (ausgenommen Skulpturen) 15 € 10 € 25 €

Für alle Entleiher gilt: