Institut für aktuelle Kunst

Laboratoriumsgespräch mit Paul Baumgarten

Laboratoriumsgespräch 7

Das Laboratoriumsgespräch mit Bodo Baumgarten fand am 14. Mai 2000 im Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis statt. Sie können es in voller Länge in unserer Publikation "Mitteilungen 8" nachlesen.

Die künstlerische Verwandlung des Ortes

Eine Ausstellung arbeite mit der Natur und habe folglich mit der Natur zu tun. "Jedenfalls bin ich persönlich dafür, dass es so ist", erklärte Bodo Baumgarten. Wenn Kastanienblüten wie verwaschene rote Kerzen am Baum steckten, Blätter wie Finger scheinbar ineinander griffen, Fliederdolden sich unter der Last zu Boden neigten, weiße Holunderblüten wie schwebende Teller in der Luft segelten, könne die Kunst nicht einfach an der Wand hängen. "Sie muss mit der Natur ein Bild schaffen", führte er weiter aus. Regen, Licht, Schatten, Wind und Sonne sind dann notwendige Mittel wie Farben, Filz und Papier, die der Maler Bodo Baumgarten dazu gibt, damit es einen überall erwischen kann. "Erwischen", erleben wie aus "Halbzeug", so Baumgarten, und zwar Dinge, die für sich genommen schon eine Aussage in sich trügen, ein Bild im Raum würden. Dieser Moment, dieses Erlebnis müsse sich überall einstellen können. Beim Blick durch eine der Schießscharten des ehemaligen Pulvermagazins vom Choisyring her oder von drinnen im Hof, wo Farben scheinbar von der Wand zu Boden fließen.


Dorthin hatte der Professor der Hochschule der Bildenden Künste Saar seine auf Filz gemalten und mit Silikon wetterfest gemachten Arbeiten vor ein paar Monaten gebracht. in der Sonne lagen bisweilen seine "Thronenden", die er an Drahtseilen durch den ersten Innenhof des Instituts gezogen hatte, tanzten im Wind oder duschten im Regen der letzten Wochen. Rund um die in Baumgartens Bildersprache übersetzte Rose hatte sich der Kreis der Gäste versammelt, die zum mittlerweile siebten "Laboratoriumsgespräch" in das "Institut für aktuelle Kunst" gekommen waren. Einmal im Jahr laden der Direktor des Instituts, Professor Jo Enzweiler, und seine Mitarbeiter zum Diskurs ein. Meist in Verbindung mit einer Ausstellung, die über mehrere Monate im Haus und in den beiden Innenhöfen gezeigt wird. Schließlich kümmert man sich hier nicht nur um die Dokumentation und Archivierung aktueller Kunst aus der Region sowie um Publikationen regelmäßig erscheinender Interviews und Aufsätze. Es gibt immer auch etwas zu sehen.


Mit Bodo Baumgarten erfährt das Konzept eine neue Wendung. Als von einem Förderverein getragenes Aninstitut gehört das "Laboratorium" zur saarländischen Kunsthochschule. Aus dem Kreis der dort lehrenden Professoren kommt Bodo Baumgarten, und in ein paar Monaten folgen seine Schüler, die in Berlin lebende Malerin Simone Litschka und der in Saarbrücken lebende Norbert Schindler. Das neue Konzept sieht vor, dass auf den Lehrer zwei seiner Studenten folgen sollen, erklärt Jo Enzweiler.


Baumgartens Konzept hingegen war die Verwandlung des Ortes, des Gewölbes des Innenraums und der beiden gerade geschnittenen Innenhöfe zur Linken und Rechten. Der Besucher ist in der Ausstellung und gleichzeitig Teil von ihr, er wird wiederum darin von anderen gesehen, meinte Bodo Baumgarten. So wie sich die Färbe verselbständigt, auf Filzbahnen in den Raum rollt, wellt und spannt, so ist der Betrachter nicht länger nur Zuschauer in der Kunst-Welt Baumgartens. "Denn obwohl die Nähe zur Natur, zu Formen und Gesten gesucht wird, bleibt es wegen der gestaltenden Hand des Menschen Kunst, und der Maler bleibt ein Maler, auch wenn er Objekte macht", stellte Baumgarten klar. Um so etwas zu erfahren, gibt es die "Laboratoriumsgespräche": Ein Künstler erzählt - und auch darin ist Bodo Baumgarten dank seiner einladenden Art ein Meister - mitten in seinen Arbeiten über seine Arbeiten. Er macht das, was das Institut tut. Er informiert und dokumentiert. Auf seine Art. Baumgartens Botschaft lautete: offen sein, Formen und Farben sind überall, Kunst gibt es nicht nur im Bil-derrahmen. Wie hat er noch gesagt? "Es muss einen überall erwischen können." Ja, zum Beispiel in Saarlouis.


Sabine Graf