Institut für aktuelle Kunst

Saarlouis, altes Rathaus. Abbildung: Städtisches Museum und Archiv Saarlouis
Altes Rathaus, Sitzungssaal. Abbildung: Städtisches Museum und Archiv Saarlouis
Peter Focht: Entwurf für das neue Rathaus, Fassade zum Großen Markt, 1951. Abbildung: Rathausarchiv Saarlouis
Neues Rathaus, vom Turm der Kirche St. Ludwig aus gesehen. Foto: Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Oranna Dimmig
Saarlouis, Rathaus-Foyer, Mosaik nach Entwurf von Fritz Zolnhofer (?), 1954. Foto: Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Christine Kellermann

Saarlouis, Rathaus

Epoche: 17. Jahrhundert, 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert
Gattungen: Kunst im öffentlichen Raum, Architektur, Sakralbau, evangelische Kirche
Werke: Fassaden/Wände

Saarlouis, altes und neues Rathaus

Als drittes Prinzipalgebäude – neben der Kommandantur und der Kirche St. Ludwig – wurde das Rathaus im Zuge des Festungsbaus (1680-90) an Nordostecke der Place d’Armes (Paradeplatz, Großer Markt) errichtet. Das traufständige, unverputzte Gebäude hob sich durch ein gerahmtes Rundbogenportal und einen kleinen Dachreiter von der Reihenhausbebauung der Platzränder ab. Der Sitzungssaal war mit blumengeschmückten Wandteppichen aus der Königlichen Manufaktur in Aubusson und dazu passendem Mobiliar ausgestattet, Geschenke von Ludwig XIV. an die Stadt Saarlouis (heute im neuen Rathaus). 1879 wurde unter Kreisbaumeister Carl Friedrich Müller das Gebäude um ein Geschoss erhöht. Ein farbiges Mosaik mit der Darstellung des Stadtwappens betonte die Mittelachse des Rathauses (heute am Seiteneingang des neuen Rathauses in der Adlerstraße). Das alte Rathaus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Das deutlich größere, neue Rathaus entstand 1951-54 nach einem Entwurf von Stadtbaurat Peter Focht (1907-1987). Der Hauptflügel erstreckt sich an der Westseite des Großen Markts, zwischen Deutscher Straße und Adlerstraße, ein weiterer Flügel zieht sich entlang der Adlerstraße. Das mit hellen französischen Kalksteinplatten verkleidete Gebäude ist in die einheitliche Nachkriegsbebauung der Hauptachse Deutsche Straße, Großer Markt und Französische Straße eingepasst, nimmt aber durch die Arkadenreihe und den Erker an der Seite zum Markt, durch den an der Deutschen Straße herauskragenden Turm sowie das friesartig durchfensterte Attikageschoss eine durchaus herausgehobene Sonderstellung ein.

Bemerkenswert ist der als Steinschnitt ausgeführte zweizonige Fries, der unter dem Arkadengang links und rechts des Haupteingangs die Geschichte der Stadt darstellt.

Im Foyer erwartet den Besucher ein bauzeitliches Treppenhaus und ein für die saarländische Nachkriegszeit typisches Wandmosaik, das wohl auf einen Entwurf von Fritz Zolnhofer (1896-1965) zurückgeht, aber offensichtlich verändert ausgeführt wurde. Die Darstellung von Menschen, die in für die damalige Zeit typischen Berufen wiedergegeben sind, wird ergänzt durch einen stilisierten Plan der Festung Saarlouis und den Grundstein des neuen Rathauses, der aus einem Festungsstein gefertigt wurde.