Institut für aktuelle Kunst

Karl Kunz, 1958, Foto: Hanne Garthe

Karl Kunz – Gemälde, Wandbildentwürfe und Zeichnungen

ich möchte mich so wenig wie möglich der öffentlichen Kunst –
und das ist ja nun die abstrakte – eingliedern.

Karl Kunz

Karl Kunz ist ein von inneren Bildern Besessener, der uns in seinen Gemälden, diesen großen Bilderbögen, ein durch die künstlerische Form gebändigtes Chaos der Gegensätze unserer Existenz erleben lässt.
J. A. Schmoll gen. Eisenwerth

Karl Kunz ist ein Maler, dessen Werk eine Gelenkstelle in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts bildet, eine Gelenkstelle zwischen Moderne und Postmoderne. Das zeigte sich daran, dass Kunz im Laufe seines (Künstler-)lebens immer offen und neugierig zu sein schien und viele Einflüsse, viele Impulse aufnahm und Anregungen daraus zog. So nahm er als Gast am Aktzeichnen der Münchner Akademie teil und war Gast an der Kunstschule von Hans Hofmann in Schwabing. Immer beschäftigte er sich mit der künstlerischen Moderne, vor allem mit Paul Klee und Wassily Kandinsky. Thematisch bildeten sich in seinem Werk Schwerpunkte heraus: Figuren oder Figurinen, die selbst kulissenhaft wirken, auf einer Bühne von geringer Tiefe.

1947 erhält Karl Kunz einen Lehrauftrag an der neugegründeten Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken. Es ist nicht auszuschließen, dass Leben und Arbeiten in der stark zerstörten Stadt – gerade für Kunz – einen starken atmosphärischen Eindruck hinterließen, der im Werk Niederschlag fand.
Seine Lehrtätigkeit in Saarbrücken hat Kunz wohl als sehr positiv erlebt, ergänzten sich doch Unterricht und eigenes künstlerisches Schaffen in harmonischer und fördernder Weise. 1949 erfolgte die überraschende Kündigung des Lehrauftrages. Eine andere Lehrmeinung mit Ausrichtung auf konstruktiv-konkrete Kunst ließ der figürlich-symbolischen Ausrichtung von Kunz nur noch wenig Raum.

Zahlreichen Werke aus der Zeit des Wirkens in Saarbrücken wie „Harlekin und Columbine“ (1948) eignet zwar, wie erwähnt, eine – wenn auch geringe – Raumtiefe und doch bleibt der Eindruck einer Kulisse bestimmend. Die Tiefenerstreckung ist nicht messbar, bleibt illusionistisch. Kunz malte figurativ ohne figürlich zu werden.

Im Wandbildentwurf (67 x 130 cm) von 1947 eröffnet sich ein Blick auf eine Bühne oder in das Kulissenlager eines Theaters oder eines Bildhauerateliers, mit Silhouetten, Figurinen, Spielsachen, Versatzstücken christlicher Ikonografie (Kreuzigung des Petrus), eine schwebende Tischplatte mit Fragmenten eines Mahles: Requisiten, Kulissen, Gastmahl – eine kaum zu erfassende Situation der Vieldeutigkeit, ein Wirbel der Symbole.

1947 entstehen Entwürfe zu drei Gruppen von Wandbildern: für Schloss Halberg, damals Residenz des französischen Militärgouverneur Gilbert Grandval, für die neu gegründete Universität in Homburg/Saar und für die neue Musikhochschule in Saarbrücken.
Ausgeführt wurde aber nur ein Wandbild für den großen Festsaal im Gouverneurs-Palast (170 x 600 cm, Öl auf Hartfaser; heute verschollen) und zwei Sgraffiti für das Schwimmbad und einen Freizeitraum im Nebengebäude des Schlosses Halberg, das ca. 1960 bei einem Abriss verloren ging. Der Entwurf für den Festsaal, heute in Besitz des Langwiedstifts in Saarbrücken, zeigt in ruhiger Komposition Landschaft und Architekturen. Die Maquetten in erdigem Braun und Dunkelgrün haben sich erhalten und zeigen Anklänge an den französischen Kunstgeschmack einer moderaten Moderne.
In ähnlicher Auffassung sind auch Arbeiten für die Universität Homburg komponiert, in die Zitate und Motive aus der Kunstgeschichte einfließen, in geringem Maße auch Zitate aus der Bibel (Kreuzigung Petri).

1950 beteiligt sich Kunz an der programmatischen Ausstellung der Neuen Darmstädter Sezession: „Das Menschenbild in unserer Zeit“. Die Ausstellung war
als Gegenpol zur Abstraktion dieser Jahre gedacht; es will aber scheinen, dass dieses Manifest des Figürlichen von Karl Kunz sehr bewusst und geschickt unterlaufen wurde. Kunz bleibt – vorderhand – durchaus figürlich, er zertrümmert aber das gewohnte figurative oder narrative Sehbild, das er wieder zu einem neuen, anderen, andersartigen, ja fast abstrakten Konstrukt zusammenführt. Das Übergewicht des Malerischen konterkariert er mit einer Fülle graphischer Elemente – „kalligraphischen Rhythmen“, wie Schmoll gen. Eisenwerth schreibt – und damit wirft Kunz dem Malerischen ein konterkarierendes graphisches Liniennetz über: „schwingende, kurvende Linien“ und weiter „Karl Kunz war ein von inneren Bildern Besessener, die er schuf um sie gleich wieder zu zertrümmern oder im grafischen Netz gefangen zu lassen und zumindest zu ­bändigen“. „Er ist ein harmonischer Zertrümmerer, (...) ein von inneren Bildern Besessener der uns in seinen Gemälden (...) ein durch die künstlerische Form gebändigtes Chaos der Gegensätze unsere Existenz erleben lässt in künstlerischer Form“. Gibt es den „mitarbeitenden“ Betrachter den Schmoll gen. Eisenwerth für nötig hält? Nein – zwar will Kunz den (mitarbeitenden) Betrachter, aber nur um ihm vorzuführen, dass die wohlgefügte Welt immer der Gefahr ihrer Zerstörung ausgeliefert ist.
Eines sind Kunz Bilder sicher nicht: harmonisch. Vielmehr enthält das „harmonische“ Bild immer die bereits beginnende Unordnung oder gar Zerstörung.
Das „Harmonische“ enthält immer auch den Fall in Unordnung und Chaos.
Kunz zeigt, dass hinter Ordnung und Harmonie des Sehbildes bereits Unordnung und gar Zerfall warten. Eine Ordnung deutet sich an, wird vorgespiegelt, an ihrem Bestand muss gezweifelt werden muss. So stehen die „Positionen“ sich gegenüber: Die Bilder der Konkreten Malerei versprechen Ruhe, Tiefe, Beständigkeit; die Bilder von Karl Kunz ziehen den Vorhang des Harmonischen beiseite und enthüllen die Unsicherheit, das Chaos – nichts ist gewiss, nichts ist so wie es scheint. Kunz` Malerei häuft an, schichtet auf und nebeneinander, zerlegt, wandelt sich, kein Fortgang ist gewiss. Die Welt hat viele Schichten, die übereinander liegen, die als eines wahrgenommen werden; es gibt nie nur eine Schicht, nie nur eine Perspektive,
alles kann sich wandeln.

Kunz, Karl >>>
Karl Kunz - Malerei 1921-1970 >>>
Karl Kunz - Das grafische Werk 1923-1971>>>

Leihgebühren pro Halbjahr

Privatpersonen Schüler und Studenten Praxen, Kanzleien, gewerbliche Einrichtungen und Firmen
je Kunstwerk 30 € 15 € 50 €
Künstlerplakate und Werke mit max. 40 cm Breite (ausgenommen Skulpturen) 15 € 10 € 25 €

Für alle Entleiher gilt: