Institut für aktuelle Kunst

Ausstellung Künstlerinnengruppe Saar

Ausstellung 5: Künstlerinnengruppe Saar

Das Institut für aktuelle Kunst im Saarland und die Künstlerinnengruppe Saar präsentierten am Freitag, dem 22.11.1996, 17.00 Uhr im Laboratorium die Mappe "Weltkulturerbe Völklinger Hütte 1996" der Künstlerinnengruppe.

Die Mappe enthält einen Text von Monika Beck und je eine Grafik von Inge Andler-Laurenz, Gabriele Eickhoff, Isabelle Federkeil, Cloth Freichel-Baltes, Ursel Kessler, Jolande Lischke-Pfister, Inge Schmitt-Strassner, Monika Schrickel und als Gast Heidi Günther

Format 53 x 38 cm
Verschiedene Techniken
Auf 300 g Hahnemühle Bütten gedruckt in einer Metallmappe
Auflage: 60 Exemplare, arabisch numeriert und signiert
ISBN 3-924360-00-6
Edition Monika Beck, Mathias Beck, Julia Philippi

Inmitten Vergangen – inmitten Zukunft

Die Ernennung der Völklinger Hütte zum Weltkulturerbe weist – bei aller Zweckbestimmtheit des Vorganges – auf eine Grundbedingung kulturellen Schaffens hin: Kultur als Ganzes ist einziger Ausdruck des sozialen Menschen für die Erfahrung, zwischen Vergangenheit vor der Geburt und Zukunft nach dem Tod eingeflochten zu sein in den Wechsel der Zeitläufte. In eine Formel gepackt, ist Zukunft gleich Vergangenheit hoch zwei, und alles, was vergangen ist, ist Wurzel aus der Zukunft. Die Thematisierung einer industriellen, und deshalb einem Zweck dienenden Anlage nach ihrer Umwidmung zu einem kultischen Ort mit künstlerischen Mitteln ist das Bemühen, den oben angesprochenen Wechsel der Zeitläufte exemplarisch zu befragen. Erst nach der vollzogenen Umwidmung erschien es möglich, aus der ästhetischen Erscheinung einer überdimensionalen, weil den Menschen dienenden und Menschen fressenden Produktionsanlage eine Ästhetik des Materials, das nunmehr sich selbst auffrißt, ergo eine Ästhetik des Verfalls zu konstruieren. Insofern haben sich die beteiligten Künstlerinnen ihrem Thema auf unterschiedliche Art und Weise angenommen – als Widerstand gegen oder als Überlassung an den Verfallsprozess, der in einem größeren Zusammenhang versöhnlich zur Metamorphose wird. Ihr Fazit: So oder so kann auch der Mensch, der Kunstwerke schafft, nicht damit rechnen, daß er überdauert. Alles ist zukünftig, alles ist vergänglich.

Monika Beck