Institut für aktuelle Kunst

Małgorzata Sztremer, Foto: Sabine Kuehnle, 2007
Ich und Janek, 2001, Öl auf Leinwand, 75 x 90 cm
Drei Personen, 2002, Öl auf Leinwand, 140 x 150 cm
Familie mit Hund, 2003, Öl auf Leinwand, 120 x 150 cm
Schwarz 2, 2006, Öl auf Leinwand, 35 x 40 cm
Stadtwohnung, 2006, Öl auf Leinwand, 40 x 35 cm
Zwei Gebirge, 2007, Öl auf Leinwand, 55 x 60 cm
Kim, 1998/99, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm
Porträt der Mutter, 2008, Öl auf Leinwand, 46 x 40 cm
Aus einem polnischen Dorf des XX. Jahrhunderts, 2008/09, Öl auf Leinwand, 85 x 100 cm
Im Klassenraum, 2009, Tempera auf Papier, 30 x 42 cm
hre Weichheit, 2009, Öl auf Hartfaser, 35 x 45 cm
Heute ist ein Tag nach gestern, 2009, Öl auf Hartfaser, 40 x 50 cm
Drei Frauen, 2009, Öl auf Leinwand, 30 x 30 cm

Sztremer, Malgorzata

Malerin
geboren 1972 in Bytom/Polen
lebt und arbeitet in Saarbrücken
Kategorie: Malerei

Künstlerin und Werk

Haus, Tisch, Zimmer und Wiese

Die Malerei Malgorzata Sztremers und ihre Gewinnung aus der Idee des Traums

Das Unbewußte ist das eigentlich reale Psychische, uns nach seiner inneren Natur so unbekannt wie das Reale der Außenwelt und uns durch die Daten des Bewußtseins ebenso unvollständig gegeben wie die Außenwelt durch die Angaben unserer Sinnesorgane.

Sigmund Freud, Die Traumdeutung

Es geht mir nicht darum, die Malerei Malgorzata Sztremers psychologisch zu deuten, auch wenn die von ihr gewählten Motive, die nicht selten biografische Hintergründe haben, eine solche Herangehensweise nahe legen. Nicht die Psyche der Malerin interessiert mich hier, sondern die Psyche oder vielmehr die Methode ihrer Malerei. Das scheinbar Rätselhafte in ihren Bildern folgt einer eigentümlichen Logik, die vermutlich darauf beruht, dass die Malerin dem Rätselhaften an sich ebenso skeptisch gegenüber steht wie der abgebildeten Realität. Malgorzata Sztremer ist eine kluge Malerin, die sich selbst und ihren Gewissheiten aufs Äußerste misstraut. Wir werden in ihrer Malerei keine Tricks, keine Verführungen entdecken. Vielleicht werden wir sie ein wenig schroff und grobförmig finden. Die Zartheit dieser Malerei, und es kann angesichts der tiefen Berühtheit, die einige ihrer Bilder auslösen, keinen Zweifel daran geben, entfaltet sich häufig erst auf den zweiten Blick.

Was wir auf den Bildern sehen, ist schnell erzählt: Es sind im weitesten Sinne möblierte Räume (gemeint sind sowohl Interieurs als auch Exterieurs). Räume, in denen Dinge und Figuren zueinander in Beziehung stehen. Ortsangaben wie davor, dahinter, drinnen, draußen, nah, fern, darüber, darunter, offen, geschlossen etc. und damit zusammenhängende (im übrigen meist psychologisch wirksame) Größenverhältnisse sind häufig tragende Elemente sowohl der Komposition als auch der Aussage ihrer Bilder. Verblüffend ist dabei, dass die aufgezählten Gegensatzpaare in einem Bild häufig gemeinsam auftauchen, ja sich geradezu gegenseitig bedingen. Überhaupt haben die Bildideen Sztremers etwas Verblüffendes: In einem ansonsten leeren Haus ohne Front sitzt im dritten Stock ein Paar auf Sesseln, draußen in karger Stadtlandschaft auf grüner Wiese steigt eine schwarze Figur in ein schwarzes kreisförmiges Erdloch. Oder: Bergmänner in Festtagskleidung, im Hintergrund einige Häuser, stehen auf einem Plateau über einem weit auskragenden Abgrund. Oder: Ein Ritter steht auf einer hohen Mauer, einer Art Burg, über dunkelgrün bewegtem Grund, links neben ihm wie in einem Turm ein altertümlich anmutendes Paar, umschlossen von einem gläsernen Häuschen. Oder etwa: Auf einem Tisch befindet sich eine Landschaft mit Bergen und See im Miniaturformat, eine Figur steht aufrecht und fragil in einem hölzernen Nachen, aus einer Wandecke wächst eine Blume, links und rechts davon schießen pinkfarbene Schwälle wie Zungen hervor.

Nicht zuletzt anhand der Farben wird deutlich, dass hier offenbar eins nicht ohne sein Gegenteil auskommt. In meinen Voraufzeichnungen zu diesem Text finden sich Begriffspaare wie "gebrochene Leuchtkraft", "flächige Räumlichkeit" oder "statische Bewegtheit" – Paradoxa. Der Komplementärkontrast ist ein immerwiederkehrendes aber doch gedankenvoll und behutsam eingesetztes Mittel der Bildgestaltung. Farbe und Pinselführung haben eine starke Vehemenz, bis hin zur Kantigkeit. Nie wird verleugnet, dass sich das Bild aus nichts weiter als eben aus Farbe und aus Pinselstrichen zusammensetzt, aus Material und Richtung. Schattierungen gleichen Schraffuren, Farbe steht gegen Farbe, unterschiedliche Texturen des Materials werden, wenn überhaupt, nur angedeutet.

Die auf den Bildern dargestellten Gegenstände kennen wir alle, es sind in der Mehrzahl Archetypen. Sie gewinnen ihre Präsenz aus den Assoziationen, die wir an sie knüpfen. Dennoch sind sie nicht eigentlich als Archetypen dargestellt, sondern sehr konkret in einem bestimmten räumlich aufgefassten Kontext. Ich möchte einen Begriff Freuds aufgreifen, der mir in diesem Zusammenhang wichtig erscheint: den des Tagesrestes. Der Tagesrest bezeichnet zum einen Gefühle und Gedanken, die während des Tages nicht erledigt wurden und im Traum erscheinen, zum andern aber auch bestimmte Bilder, die aus dem Tageszusammenhang entnommen und in den Traumkontext gesetzt werden. Dort nehmen sie sich zunächst höchst wunderlich aus, weil sie ihrer ursprünglichen Bedeutung enthoben und ihrem logischen Zusammenhang entrissen sind. Genau dieses Entreißen aber führt zu einer tieferen Bewusstseinsschicht, in der das Bild als starker Sinneseindruck extrahiert und seelisch assoziativ verarbeitet wird. Die Perspektive des Träumers ist dabei eine überpersönliche. Er ist in der Lage, aus sich herauszutreten. Er nimmt wahr und sieht sich gleichzeitig dabei zu, er fügt unterschiedliche Personen zu einer und ist überall zugleich. Sind die Figuren auf diesen Bildern nicht irgendwie auch wir Erinnerung und Traum sind Verwandte, die nur durch den Grad des Bewusstseins von einander geschieden sind. Bei den Bildern Malgorzata Sztremers handelt es sich ganz gewiss nicht um konkrete Träume. Vielmehr macht sie sich – und hier liegt das ganze Rätsel begraben – die Methode des Traums zu eigen. Ihr instinktiver Zweifel an der Autorität des Bewusstseins führt sie zu einer Bildauffassung, die sich zwar aus Erinnerung und Beobachtungsgabe speist, meines Erachtens aber erst durch das Prinzip des Traums und also des Unbewussten sinnhaft verständlich wird. Das Unbewusste wird dabei nicht zum stilbildenden Postulat im Sinne des Surrealismus. Es wird der Realität lediglich als inneres, seelisches Prinzip zur Seite gestellt.

Da, wo wir uns einlassen können auf die Proportionen, die Räume und Öffnungen, die Abgründe, da wo wir sie in uns finden, beginnt diese Malerei ihre wahre Kraft zu entfalten. Sie tut das niemals berechnend, sie spekuliert nicht auf den Effekt. Sie ist im Gegenteil sehr selbstreflektiv und sparsam mit ihren Mitteln. Sie kommt einfach daher und bleibt Malerei aus dem Geiste der Malerei, Farbe aus dem Gehalt der Farbe und Geste aus der einfachen Übersetzung vom Auge zur Hand. "Ich meine also, am besten gibt man die Träume frei", schreibt Freud. Gleiches gilt für die Malerei und für die Kunst selbst. Es geht in gewisser Weise auch darum loszulassen, um erleben und um – später und auch nur vielleicht – erkennen zu können.

Biografie

  • 1972
    geboren in Bytom/Polen
  • 1992-1997
    Studium an der Kunstakademie Krakau, Malerei
  • 1994
    Mitgründung der Gruppe 156
  • 1997
    Diplom
  • seit 1997
    in Deutschland
  • 1998-2003
    Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, Bildhauerei
  • 2003
    Diplom, Meisterschülerin von Prof. Wolfgang Nestler
  • Lehrauftrag für Projekt "Figur und Raum", Klasse Prof. Wolfgang Nestler
  • 2005-2010
    Lehrauftrag für Malerei, Klasse Prof. Gabriele Langendorf, HBKsaar
  • 2006
    Mitgründung des Museum GOSZ - Raum für Kunst, Saarbrücken
  • 2010
    Förderpreis der Stadt Saarbrücken
  • lebt und arbeitet in Saarbrücken

Einzelausstellungen

  • 2005
    In der Mitte der Welt – Körper Präsenz Beziehungenpolnischer stuttgART mai Stuttgart
  • 2007
    Die Burg, Kulturamt Eppelborn
  • 2011
    "Atman, Brahman und die Evolution", Kulturfoyer Saarbrücken
  • 2014
    "Yesterday Today Tomorrow - Malerei von Malgorzata Sztremer", Commerzbank, Neunkirchen
  • "The vast home", Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken
  • 2017
    "Małgorzata Sztremer Masken für die Zeit" Kulturcafé des Kulturvereins Burbach e. V., Saarbrücken

Ausstellungsbeteiligungen

  • 1998
    Stipendium 1998, Kunstzentrum Bosener Mühle, Nohfelden/Saarland (K)
  • 1999
    nordsüdwestost, Saarländisches Künstlerhaus Saarbrücken (K)
  • 2000
    Parallel, Ausstellungen in 13 saarländischen GemeindenForm zeigt sich, Kunstverein Gelsenkirchen
  • 2002
    farben, Kulturfoyer Saarbrücken
  • 2003
    Eine Woche junge Kunst, Mediapark Köln (K)
  • 2004
    zoom 2004, T-Systems Saarbrücken (K)
  • Kopf treibt Blüte, Galerie Schaubar Saarbrücken
  • Tag der Kunst, Atelierrundgang Saarbrücken
  • 2005
    Zwrotnica – Weiche, Ausstellung zur Eröffnung des Institutes für polnische Kultur Polska Kultura Völklingen
  • Tag der Kunst, Atelierrundgang Saarbrücken
  • 2006
    Wellenfreuden, Museum Haus Ludwig Saarlouis
  • abgemacht, Galerie Gosz Saarbrücken
  • Tag der Kunst, Atelierrundgang Saarbrücken
  • Gosz Rausch, Galerie Gosz Saarbrücken
  • 2007
    Die Burg, Kulturamt der Gemeinde Eppelborn, Saarland (E)
  • Tag der bildenden Kunst, Ateliergemeinschaft 5KV Station, Saarbrücken
  • 99+1, KuK, Kunst- und Kulturzentrum der StädteRegion Aachen
  • 10 x 15, Galerie Gosz, Saarbrücken
  • 2008
    Seite B, Museum Gosz, Saarbrücken
  • VOLK - Tag der bildenden Kunst, Museum Gosz, Saarbrücken
  • do you belive in Gosz, Museum Gosz, Saarbrücken
  • Familientreffen, Atelierfrankfurt e.V., Frankfurt/Main
  • 2009
    Tag der bildenden Kunst, Museum Gosz, Saarbrücken
  • Familientreffen, Atelierfrankfurt e.V., Frankfurt/Main
  • 2010
    "Pani tutaj, abgemacht teil 2", Museum Gosz, Saarbrücken
  • "artmix 5 Articulation" Künstleraustausch Luxemburg Saarbrücken, Galerie beim engel
  • 2011
    "Gästezimmer", Atelier Frankfurt e. V., Frankfurt
  • 2013
    "Andreas Golczewski - Druck, Malgorzata Sztremer - Malerei", museumGOSZ, Saarbrücken

Projekte

  • 1998-1999
    Stadtprojekte mit Prof. Maria Nordman, HBK Saar
  • 1999, 2000 und 2001
    Projekt Hügel, Lipnica Murowana, Krakau/Polen
  • 2002
    Ars pro Kunst trifft Menschen, Kunstverein Ellwangen
  • 2007
    99+1, KuK, Kunst- und Kulturzentrum der StädteRegion Aachen, Monschau

Bibliografie

  • Stipendium 1998. Hg. Kunstzentrum Bosener Mühle. Bosen 1998
  • nordsüdwestost. Hg. Saarländisches Künstlerhaus Saarbrücken. Saarbrücken 1999
  • projekt wzgórza - projekt hügel. Hg. SAOZ. Lipnica Murowana, Kraków 1999
  • projekt wzgórza trzy - hills project three. zrób cos dobrego/do something good. Hg. SAOZ. Lipnica Murowana, Kraków 2001
  • Wolfgang Nestler, Hg.: Form zeigt sich. Eine Künstlerklasse in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts. Das Völklingen Projekt im Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Hochschule der Bildenden Künste Saar. Saarbrücken 2002
  • Eine Woche junge Kunst. Köln 2003
  • Zoom 2004. Absolventen und Studierende der HBKsaar bei T-Systems. Hg. T-Systems und Hochschule der Bildenden Künste Saar. Saarbrücken 2004
  • Jo Enzweiler, Hg.: sichtbar machen. Staatliche Kunstschulen im Saarland 1924-2004. Saarbrücken 2006
  • Nina Mika-Helfmeier, Hg.: Bilder aus Räumen. Kunst- und Kulturzentrum der StädteRegion Aachen, Monschau 2007

Homepage / Quelle

Homepage

www.museum-gosz.de

 Quelle

  • Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Archiv, Bestand: Sztremer, Malgorzata (Dossier 4804)

 Redaktion: Nina Jäger, Ursula Kallenborn

Leihgebühren

Privatpersonen Schüler und Studenten Praxen, Kanzleien, gewerbliche Einrichtungen und Firmen
je Kunstwerk 30 € 15 € 50 €
Künstlerplakate und Werke mit max. 40 cm Breite (ausgenommen Skulpturen) 15 € 10 € 25 €

Für alle Entleiher gilt: