Institut für aktuelle Kunst

Paul Rihm 1975. Archiv Rihm
Paul Rihm mit Tochter Miriam im Atelier 1978. Foto: Archiv Rihm
Paul Rihm, Quedlinburg 1940. Foto: Archiv Rihm
Paul Rihm, Wiesbaden 1942. Foto: Archiv Rihm
Weiblicher Akt, 1964, Kohle, 43 x 61 cm. Foto: Archiv Rihm
Paul Rihm, Weiblicher Akt, 1964, Kohle, 65 x 50 cm. Foto: D. Kiefer
Paul Rihm, Ste. Barbe/Lothr., 1974, Öl auf Leinwand, 56 x 47 cm. Foto: D. Kiefer
Paul Rihm, "Der Grätenbuckel" (Fischhalle), 1976, Öl auf Leinwand, 61 x 51 cm. Foto: D. Kiefer
Paul Rihm, Domtor in Albenga, 1976, Aquarell, 48 x 31 cm. Foto: D. Kiefer
Paul Rihm, Vater und Tochter, 1977, Aquarell, 50 x45 cm. Foto: D. Kiefer
Paul Rihm, Rom, 1977, Aquarell, 57 x 38 cm. Foto: D. Kiefer
Paul Rihm, Sutri, 1979, Öl auf Leinwand, 70 x 50 cm. Foto: D. Kiefer
"Ingrids Bademantel", 1970er Jahre, Acryl. Foto: D. Kiefer
Paul Rihm, Deutsch-Leidingen und Französisch-Leidingen, 1991, Aquarell, 55 x 38 cm. Foto: D. Kiefer
Paul Rihm, Venedig, 1992, Aquarell, 62 x 44 cm. Foto: D. Kiefer
Paul Rihm, Bedersdorf, 1994, Aquarell. Foto: Archiv Rihm
Paul Rihm, Burg Lichtenstein, Aquarell. Foto: Archiv Rihm
"Erinnerung", 1995, Aquarell (50 Jahre Bombardement Dresdens), 65 x 49 cm. Foto: D. Kiefer
Paul Rihm, Castel Juval, Südtirol (Burg von Reinhold Messner), 1996, Aquarell, 85 x 50 cm. Foto: D. Kiefer
Paul Rihm, Zettingen, 1997, Aquarell. Foto: Archiv Rihm.
Paul Rihm, Ostschacht Schwalbach, 1998, Aquarell. Foto: Archiv Rihm.
Paul Rihm, Berus, 1998, Aquarell. Foto: Archiv Rihm
Paul Rihm, "Die Mühle meines Großvaters", o. Jahr, Rötel, 61 x 43 cm. Foto: D. Kiefer

Rihm, Paul

Maler
geboren 1922 in Schwalbach-Elm
gestorben 2014 in Schwalbach-Elm
Kategorien: Malerei, Grafik

Künstler und Werk

Paul Rihm, Jahrgang 1922, besuchte das Merziger Knabengymnasium, wo er auch 1941 das Abitur ablegte. Seine damaligen Kunsterzieher förderten ihn nach Kräften, nachdem sie sein Talent fürs Zeichnen und Malen und seine Begeisterung für die Kunstgeschichte erkannt hatten. Aus dieser Zeit sind Selbstbildnisse, Porträts von Schulfreunden und Familienmitgliedern erhalten.

Die Schulzeit wurde durch die Evakuierung 1940 unterbrochen. Die Familie kam nach Quedlinburg, wo  Rihm bei einem Kunstmaler zusätzliche Förderung erfuhr. Eine weitere künstlerische Ausbildung wurde durch seine Einberufung 1941 unmöglich gemacht. 

Von seinen Malutensilien trennte Paul Rihm sich jedoch nie, sie begleiteten ihn in alle Einsatzgebiete und bei allen Lazarettaufenthalten. Motive fand er vor allem  in den französischen Dörfern, in denen er stationiert war, und in Städten wie Rouen, Wiesbaden oder Dresden.

Nach russischer Gefangenschaft in die Heimat zurückgekehrt, absolvierte Paul Rihm ein Pädagogikstudium und fand eine Anstellung als Lehrer, ein Beruf, den er mit großem Engagement ausübte.

Gleichzeitig versuchte er, zusammen mit anderen Malerkollegen der Kunst an der Saar nach der dunklen NS–Zeit ein neues Gesicht zu geben.

So hielt er schon früh Kontakt zu den saarländischen Künstlern, mit einigen von Ihnen verband ihn eine enge jahrzehntelange Freundschaft.

„Herr Kohl, Chef des Musikhauses Hilger-Kohl, war Teilnehmer der Sommerakademie in Salzburg, in der „Schule des Sehens" bei Oskar Kokoschka. Danach richtete er in der geräumigen Werkstatt seines Musikhauses einen „Abend-Akt" ein, zu dem sich einmal in der Woche eine Reihe Maler zum Zeichnen, auch Aquarellieren, trafen. Es kamen u.a. Hans Joachim Müller, Helmut Collmann, Richard Eberle, Volkmar Groß, der Bildhauer Hans Schröder, Luis Speicher und ich. Weitere Teilnehmer: Günter Brockhoff, Ernst Mees, Alfred Latour, Apotheker Eich. ... Nach dem wöchentlichen Zeichnen gingen wir ins nahegelegene Gasthaus Annen und fachsimpelten." (Notiz von Paul Rihm)

Diese fruchtbaren Treffen in Saarbrücken dauerten bis 1993. Sie fanden ein jähes Ende, als Herr Kohl bei einem Raubüberfall auf sein Musikhaus getötet wurde. 

Durch die regelmäßigen Besuche der Malerwerkstatt gelang es Paul Rihm, sich im Porträt- und Aktzeichnen zu vervollkommnen. Mit sicherem Strich brachte er Gestalt und Habitus von Personen zu Papier bzw. auf die Leinwand. In seine Landschafts- und Gebäudebilder fügte er zusätzlich figürliche Darstellungen ein. 

Wie seine Malerkollegen zog es Paul Rihm schon früh in den Süden. Weit davon entfernt, dort nur das Pittoreske zu suchen und darzustellen, wählte er als Motiv oft unscheinbare, wenig bekannte Orte. Das Massive ihrer Architektur macht er in seinen Ölbildern mit gedeckten Erdfarben und klarer, einfacher Formensprache deutlich. Die Aquarelle hingegen erscheinen farbenfroh, luftig und oft gewollt unvollendet.

Die gleiche Malweise findet sich auch bei den Bildern von Paul Rihms engerer und weiterer Heimat: Ortsteile von Schwalbach, der Saargau, Lothringen, Belgien oder auch die Pfalz. Die Bilder bleiben zwar immer gegenständlich, sind jedoch nicht naturalistisch. Die Darstellung von Gebäuden und Landschaft ist reduziert auf einfache geometrische Formen, Einzelheiten wie Fenster oder Gesimse werden weggelassen. Das Erdverbundene und Gewichtige der Häuser insbesondere auf dem Saargau und in Lothringen wird so spürbar gemacht. 

Die in sich geschlossene Ansammlung von Häusern um einen Kirchturm oder eine Burgruine erscheint oft „unerreichbar"; im Vordergrund sieht man vom Menschen gestaltete Natur: Äcker, Wiesen, Büsche und Alleen, die man erst „überwinden" muss, um zu eigentlichen Motiv zu gelangen.

Paul Rihm war nicht nur passionierter Maler seiner Heimat, er erforschte auch ihre Geschichte. Die Ergebnisse notierte er in kurzen Texten, einige auch in Mundart.

Selbst aus einer alteingesessenen Familie von Mühlenbetreibern stammend, schrieb er zu den vierzehn Mühlen im Sprengerbachtal eine Chronik, die er mit Rötelzeichnungen illustrierte. Rihms Schriften sind kurz und prägnant und zuweilen mit einem leichten Augenzwinkern verfasst.

Es war ihm ein wichtiges Anliegen, durch Geschichten und Bilder das Interesse seiner Schüler für ihre Heimat zu wecken und ihnen seine Begeisterung für die Kunst weiterzugeben. 

So kam es auch 1980 zur Gründung der Schwalbacher Malschule für Jugendliche und Erwachsene. Als Initiator und pädagogischer Leiter hatte er wesentlichen Anteil an ihrer Konzeption. Zur Eröffnung hielt er einen beachtenswertes Referat über Sinn, Zweck und Aufgabe dieser bis heute gut besuchten Einrichtung. Er selbst unterrichtete dort lange Zeit die Klasse Ölmalerei.

Trotz dieser vielfältigen Engagements fand Paul Rihm die Muße, zu Hause in seinem Atelier weiterzuarbeiten, an Ausstellungen teilzunehmen oder auch eigene vorzubereiten, um den Besuchern seine Lieblingsmotive nahezubringen.

„Nicht das heroisch Imposante zieht diesen Maler in erster Linie an, vielmehr sind es die unscheinbaren Dinge, das Bekannte und Vertraute, das er neu sieht und fügt und was die Suggestionskraft vieler dieser Landschaften ausmacht. Paul Rihms Bilder erzeugen im Betrachter ein stilles Stück Sehnsucht, die ich nicht mit einem bestimmten Namen belegen möchte, die aber bewirkt, dass man als Betrachter nicht gleichgültig bleiben kann."(Rudolf Weber "Begegnung in Assisi". Aus „Paul Rihm, 10. Kunstausstellung Schwalbach")

Doris Kiefer

Biografie

  • 1922
    geboren in Schwalbach-Elm
  • 1941-45
    Soldat, schwer verwundet, Gefangenschaft
  • Nach dem Krieg pädagogisches Studium, Kunsterzieher, als Maler Autodidakt
  • 1946
    erste Lehrerprüfung, Anstellung als Lehrer in Schwarzenholz
  • 1951
    zweite Lehrerprüfung
  • ab 1954
    Konrektor in Elm
  • bis 1978
    Obmann für Naturschutz in den Gemeinden Schwarzenholz bzw. Elm
  • 1949
    Mitglied der Saarländischen Künstlergenossenschaft. Beteiligung an deren Ausstellungen in Saarbrücken und fast allen Städten des Saarlandes
  • 1974
    Gründungsmitglied des "Gruppe Untere Saar". Beteiligung an den Kollektivausstellungen in Saarlouis, Dillingen, Creutzwald und der Katholischen Akademie Trier
  • Studienreisen nach Frankreich und Italien, Prag
  • 1976
    Mitwirkung an der Bemalung des Hauses Ecke Großer Markt –Zeughausstraße in Saarlouis, Motive aus der Geschichte der Stadt
  • 1980
    Mitbegründer und pädagogischer Leiter der Schwalbacher Malschule
  • 1992
    Kulturpreis für Heimatpflege und Heimatforschung des Landkreises Saarlouis
  • 2014
    gestorben in Schwalbach-Elm

Einzelausstellungen

  • 1949, 1950
    Dillingen und Elm
  • 1959
    Schwarzenholz
  • 1973
    Junge Galerie von Gruchalla, Saarlouis
  • 1976
    "Bilder aus Italien", Private Galerie Paul Rihm, Schwalbach
  • 1977
    Gemeindesaalbau, Schwalbach
  • 1978
    Galerie Pieper, Saarlouis
  • Erste Schwalbacher Kunstausstellung, Gemeindesaalbau, Schwalbach
  • 1980
    Galerie Walzinger, Saarlouis
  • Stadtbücherei, Merzig
  • 1982
    Graphisches Kabinett, Saarbrücken
  • Kunstzentrum Bosener Mühle, Bosen
  • 1983
    Galerie Walzinger, Saarlouis
  • 1987
    Gemeindesaalbau, Schwalbach
  • 1988
    Galerie im Rathaus, Dillingen
  • 1990
    "Paul Rihm: Saar, Lothringen, Italien", Galerie Fritzen, Saarlouis
  • 1993
    Galerie im DRK-Krankenhaus, Saarlouis
  • 1994
    Heimatmuseum, Wallerfangen
  • 1995
    Haus der Kreissparkasse in Elm, Schwalbach
  • 2003
    Galerie Palz, Beckingen

Ausstellungsbeteiligungen

  • 1949
    Ausstellung der saarländischen Künstlergenossenschaft, Passage Kaufhaus, Saarbrücken
  • Alte Abtei, Mettlach
  • 1950
    Saarlandmuseum, Saarbrücken
  • Alte Abtei, Mettlach
  • Galerie der Buchhandlung "Am Rondell", Homburg
  • 1962, 1964
    Kunststube, Saarlouis
  • 1968-73
    Kulturraum des Landratsamtes, Saarlouis
  • 1973
    Deutsch-französische Ausstellung, Creutzwald
  • 1974
    Katholische Akademie, Trier
  • Stadthalle, Dillingen
  • Zeughausgalerie, Saarlouis
  • Kulturraum des Landratsamtes, Saarlouis
  • 1975
    Kulturraum des Landratsamtes, Saarlouis
  • Stadthalle, Dillingen
  • 1976
    Zeughausgalerie, Saarlouis
  • 1977
    Stadthalle, Dillingen
  • 1979
    Rathaus, Saarlouis
  • Stadthalle, Dillingen
  • 1980
    Galerie im Kutscherhaus, Saarbrücken
  • Atelier der Gruppe Untere Saar, Theater am Ring, Saarlouis
  • "Symposion Saarlouis 1980", Hofhaus, Saarlouis-Beaumarais
  • Stadtbücherei, Merzig
  • 1981
    Galerie im Kutscherhaus, Saarbrücken
  • Atelier der Gruppe Untere Saar, Theater am Ring, Saarlouis
  • Kunstzentrum Bosener Mühle, Bosen
  • 1982
    Galerie Walzinger, Saarlouis
  • Funkhaus Halberg, Saarbrücken
  • Atelier der Gruppe Untere Saar, Theater am Ring, Saarlouis
  • Deutsche Bank, Saarlouis
  • 1984
    Galerie Walzinger, Saarlouis
  • 1987
    Evangelisches Gemeindehaus, Wadgassen
  • 1988
    "Lehrer als Künstler", Stadthalle Dillingen
  • 1989
    Baumholder (mit Axel Gross)
  • 1991
    Theater am Ring, Saarlouis
  • 1994
    Heimatmuseum, Wallerfangen
  • 1997
    "Zeitgleich", Stadthalle, Merzig
  • 2008
    Heimatmuseum, Wallerfangen
  • 2014
    Museum Haus Ludwig, Saarlouis

Werke im öffentlichen Raum

  • 1975
    Wandmalerei, Motive aus der Geschichte der Stadt Saarlouis, in Zusammenarbeit mit der Künstlergruppe „Untere Saar“ an der Ecke Großer Markt – Zeughausstraße. Gebäude inzwischen abgerissen

Bibliografie: Eigene Schriften

  • Paul Rihm: Birgit Greff-Renzow in der Stadthalle Merzig. In: Saarheimat 1981, Heft 11, S. 317 – 318
  • Paul Rihm: Die Lehoczky- Fenster im Chor der Pfarrkirche „St. Josef“ in Derlen. Herausgeber: Gemeinde Schwalbach, o. J.
  • Paul Rihm: Die Ruhlmann - Fenster in der Kirche „St. Martin“ Schwalbach. Herausgeber: Gemeinde Schwalbach, o. J.
  • Mühlenchronik. Schwalbach 1998
  • Geschichte und Geschichten der 14 Mühlen im Sprengerbachtal. 2. Auflage , Schwalbach  2012

Bibliografie: Monografien

  • Paul Rihm - Ölbilder,  Aquarelle, Zeichnungen. Schwalbach 1978
  • Paul Rihm. 10. Kunstausstellung in Schwalbach/Saar. Schwalbach 1987

Bibliografie: Sammelschriften

  • Abbildung eines Aquarells „Waldlandschaft bei Schwalbach“ im Almanach der Saarländischen Künstlergenossenschaft, Februar 1949 
  • Karl-Josef Dorscheid: Paul Rihm, das Künstlerportrait. In: Unsere Heimat, Mitteilungsblatt des Landkreises Saarlouis,  Heft 4, 1979. S. 134-139
  • Stadtbilder Saarlouis 1980, Symposion Saarlouis 300. Saarlouis 1980, S. 43 
  • 167 Bildtafeln in der Innenstadt Saarlouis, 300-Jahrfeier, Paul Rihm malt 6 große Darstellungen bedeutender Persönlichkeiten aus der Geschichte der Stadt
  • Ingrid Rass: Saarlouiser Kulturszene, Galerie Walzinger. In: Saarheimat 1981, Heft 3, S. 64
  • Dorothee Schank: Paul Rihm in der Galerie Walzinger, Saarlouis. In: Saarheimat 1983, Heft 6-7,  S. 144-145
  • Lehrer als Künstler. Deutscher Lehrertag. Dillingen, S. 12
  • Zeitgleich, Malerei, Zeichnungen und Papierarbeiten von Paul Rihm. In: Kulturpolitik, Nr. 1/März 1997, Bonn. S. 13
  • Standpunkte, 40 Jahre Künstlergruppe Untere Saar. Saarlouis 2014, S. 29

Quelle

Redaktion: Doris Kiefer/Ursula Kallenborn

Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Archiv, Bestand: Rihm, Paul (Dossier 897