Institut für aktuelle Kunst

Natascha Pötz
Natascha Pötz, Hase, 1999, Bleistift/Papier, 130 x 150 cm. Foto: André Mailänder
Natascha Pötz, Schweiz/Nacht, 2002, Buntstift/Papier, 70 x 100 cm. Foto: André Mailänder
Natascha Pötz, Polnischer Spaziergang, 2002, Buntstift/Papier, 130 x 150 cm. Foto: André Mailänder
Natascha Pötz, Vogelflug, 2004, Bleistift/Papier, 70 x 100 cm. Foto: André Mailänder
Natascha Pötz, Berlin, 2009, Bleistift/Buntstift/Papier, 70 x 100 cm. Foto: André Mailänder
Natascha Pötz, Look right in London, 2010, Bleistift/Buntstift/Papier, 70 x 100 cm. Foto: André Mailänder
Natascha Pötz, Mont Ventoux, 2010, Bleistift/Buntstift/Papier, 70 x 100 cm. Foto: André Mailänder
Natascha Pötz, Land, 2010, Wolle/Stramin, 81 x 113 cm. Foto: André Mailänder
ein Jahr, 2011, Bleistift/Buntstift/Papier, 130 x 150 cm. Foto: André Mailänder

Pötz, Natascha

Zeichnerin
geboren 1973 in Frankfurt am Main
lebt und arbeitet in Berlin
Kategorien: Zeichnung, Fotografie, Grafik

Künstlerin und Werk

Natascha Pötz - Welt Reisen Album

Der Raum hat mich immer schweigsam gemacht. Jules Vallès

Wie können wir uns einer Landschaft nähern, die nicht mehr jene ist, welche wir sehen, sondern im Gegenteil jene, in der wir gesehen werden? Gilles Deleuze

Wenn die Unermesslichkeit Gaston Bachelard zufolge eine philosophische Kategorie der Träumerei ist, ist die Kartografie, das Vermessen und Verzeichnen oder Aufklappen des Raumes, wie es uns in den Zeichnungen von Natascha Pötz begegnet, dann der Versuch dieser Unermesslichkeit zu begegnen? Es mag sein, dass es irreführend ist, den Begriff der Träumerei überhaupt aufkommen zu lassen in Bezug auf Zeichnungen, die weniger in Träumen als in Erinnerungen an konkrete Orte wurzeln. "Aber handelt es sich wirklich um eine Erinnerung? Ist die Einbildung nicht schon bei der ersten Betrachtung tätig?", fragt Bachelard und stellt fest: "Die Träumerei ist ein Zustand, der vom ersten Augenblick an vollständig hergestellt ist. Man sieht kaum, wo sie anfängt, und doch beginnt sie immer auf die gleiche Weise. Sie flieht das nahe Objekt, und sogleich ist sie weit weg, anderswo, in dem Raum des Anderswo." - Weit weg, in dem Raum des Anderswo, der vielleicht am ehesten der Raum des Reisenden ist, sein Fluchtpunkt. Natascha Pötz' Bildräume sind so etwas wie Verzeichnisse von Intensitäten. Verortungen. Traumartig in ihrer verzerrenden Topografie, in ihren Maßstabssprüngen und scheinbaren Ungereimtheiten, dem zugleich hier wie dort Sein, rekonstruiert sie in der Zeichnung, wie in einer Auf- oder Nachzeichnung, Erlebnisse, in dem sie sie in räumliche Anordnungen übersetzt. Dabei ist zweifellos nicht nur die Aufzeichnung eine (Re-)Konstruktion, sondern auch die Erinnerung. Es gibt in diesen Bildern keine Auflösung ins Sprachliche und die Geschichten, die sie auf so seltsam schweigsame Art erzählen, bleiben rätselhaft. Dennoch führen sie an wohl vertraute Orte. Orte, die ganz offensichtlich in der sichtbaren Welt und doch zugleich ganz wo anders liegen. Der Vorgang des Zeichnens, als Schraffur, als Strich, als Linie, als konzentrierte Anwesenheit, bleibt immer präsent und kann im wörtlichen Sinne als Verdichtung verstanden werden. Eine Verdichtung im Bild, die wiederum eher auf das Sehen, als auf die Träumerei verweist.

Nina Jäger


Space has always reduced me to silence. Jules Vallès

How can we gain access to a landscape that is no longer the one we see, but on the contrary the one in which we are seen? Gilles Deleuze

If immensity according to Gaston Bachelard is a philosophical category of daydreaming, could the mapping, measuring or unfolding of the space in Natasha Poetz's drawings be considered an attempt to face this immensity? It might be somewhat misleading to evoke the concept of daydreaming here as these drawings are not so much inspired by dreams or illusions but rather by memories of concrete situations. "But is this really memory? Isn’t imagination alone able to enlarge indefinitely the images of immensity?" Bachelard questions and notes further: "In point of fact, daydreaming, from the very first second, is an entirely constituted state. We do not see it start, and yet it always starts the same way, that is, it flees the object nearby and right away it is far off, elsewhere, in the space of elsewhere." - Far off in the space of elsewhere. This is perhaps the most adequate sphere for a passenger, his vanishing point. Natasha Poetz's drawings are like indexes of intensities. Localisations. The distorting topographies with obvious leaps in scale arouse the oneiric notion of being here and there at the same time. The artist traces and reconstructs experiences by translating them into spatial settings. Certainly not only the drawing (the trace) can be considered a (re-)construction but also the memory itself. There is no verbalised nor verbalisable narrative in these images. The stories they silently tell remain enigmatic and obscure. Nonetheless they lead to familiar places. Places clearly located in the visible world. And yet they are elsewhere. The process of drawing, in hatchings, in lines, in traces of presence, is always apparent and can be seen as a process of condensation. A condensation to an image and a return to the act of seeing, away from the daydream.

Nina Jäger

Biografie

  • 1973
    geboren in Frankfurt am Main
  • 1992-94
    Ausbildung zur Bauzeichnerin in Saarbrücken
  • 1994-95
    Studium der Architektur an der Technischen Universität Kaiserslautern
  • 1995-2001
    Studium an der HBK Saar, Saarbrücken bei Prof. Bodo Baumgarten und Prof. Ulrike Rosenbach
  • 1997
    Mitbegründerin des "Ausstellungsraum-SB", Saarbrücken
  • 1999-2007
    Mitarbeiterin der Galerie St. Johann, Saarbrücken
  • 2001
    Diplom an der HBK Saar, anschließend Vertiefungsstudium bei Prof. Daniel Hausig
  • lebt und arbeitet in Berlin

Einzelausstellungen

  • 2001
    "was ich meine ist eine Art des Schauens", K4-Forum, Saarbrücken
  • 2005
    Galerie de Aanschouw, Rotterdam/NL
  • 2009
    Kunstcentrum Koffie Verkeert, Rotterdam/NL
  • 2011
    "WELT REISEN ALBUM", Galerie wolkenbank, Rostock und Galerie Kvant, Berlin
  • 2018
    “Natascha Pötz - ein Haus im Sinn”, Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken

Ausstellungsbeteiligungen

  • 1997
    "flattern surren zubereiten", Ausstellungsraum-SB, Saarbrücken
  • "Im Dunkeln", Ausstellungsraum-SB, Saarbrücken
  • "Ausstellung zum Förderstipendium 1996", Kunstzentrum Bosener Mühle
  • 1998
    "Malersommer Völklingen", Handwerkergasse Völklingen
  • "Finale", Ausstellungsraum-SB, Saarbrücken
  • "Der dramatische Kreis", LPM, Saarbrücken-Dudweiler
  • 1999
    "Kunst im Kasten", Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken
  • wasserundbrotmaschine, Galerie Peter Dörr, Saarbrücken (mit Werner Constroffer)
  • 2000
    "mediasplit", Deutsche Bank Saar, Saarbrücken
  • "vita brevis - kurzes Leben", Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken
  • 2001
    "punkt iks", Fotografische Dokumentation zu drei Industriestandorten im Saarland auf dem Gelände der stillgelegten Grube Göttelborn
  • "projekt wzgórza trzy", Lipnica Murowana und Krakau/PL
  • "Gegen den Strich", Frauenmuseum Bonn
  • 2002
    Grube Göttelborn (Workshop mit Studenten der HBK Saar)
  • "wem ich begegnet bin", Jahresausstellung der Galerie K4, Saarbrücken
  • 2003
    "Multiple Grafik und Objekte - Jahresausstellung 2003", Galerie St. Johann, Saarbrücken
  • "Über Tage", stillgelegte Grube Göttelborn
  • Stand der Galerie K4, art.fair Köln
  • 2004
    "Aus der Serie", K4 galerie, Saarbrücken
  • Stand der Galerie K4, Art Frankfurt
  • "Kopf treibt blüte 1", schaubar, Saarbrücken
  • "zoom 2004", T-Systems, Saarbrücken
  • 2005
    "ici l'ombre du castel coucou", Carreau Wendel/FR
  • 2006
    "open II", Atelier Véronique Verdet, Saarbrücken
  • 2007
    "Wald und Forst, Hirsch und Hase", Galerie Besch, St. Ingbert
  • "à travers champs - querfeldein", Centre d' Art Contemporain du Luxembourg Belge, Jamoigne/BE (mit Andrea Neumann und Maja Sokolova)
  • 2008
    "Gosz Rausch 3", Museum Gosz, Saarbrücken
  • "Dein Land macht Kunst", Landeskunstausstellung, Museum St. Wendel
  • "Dessin", Galerie Œil, Forbach/FR
  • 2009
    Galerie Kvant, Berlin (mit Birgit Schlieps)
  • 2010
    "angezettelt, 25 Jahre Saarländisches Künstlerhaus", Saarbrücken
  • 2011
    "Mince pies #2", Galerie wolkenbank, Rostock
  • 2014
    "Mince pies #5", Galerie wolkenbank, Rostock
  • Prolog-Heft für Zeichnung und Text, Release der Ausgabe X2 und Ausstellung im Institut für Alles Mögliche, Berlin
  • "ANONYME ZEICHNER 2014 based in Berlin", Pavillon am Milchhof, Berlin
  • 2016
    "Portable Collective", Den Haag/NL
  • "KunstBoulevard 2016", Boulevard, Berlin

Bibliografie: Monografien

  • Natascha Pötz. Zeichnungen 2009-2011. Galerie KVANT. Berlin 2011
  • Natascha Pötz - ein Haus im Sinn. Hg. vom Saarländischen Künstlerhaus Saarbrücken e.V.. Saarbrücken 2018
    Mit einem Beitrag von Ines Lindner: Für sich und beieinander.

Bibliografie: Sammelschriften

  • Förderverein Kunstzentrum Bosener Mühle. Stipendium 1996. Bosen 1997
  • Ausstellungsraum-SB, Saarbrücken 1997/98. Saarbrücken 1998
  • Dramatischer Kreis. HBKsaar. Saarbrücken 1999 (CD-Rom)
  • vita brevis - kurzes leben. Saarländisches Künstlerhaus. Saarbrücken 2000
  • Mediasplit. Kulturstiftung der Deutschen Bank in Kooperation mit der HBKsaar. Saarbrücken 2000
  • projekt wzgórza trzy, hills project three. SAOZ 2001
  • Saarbrücker Hefte 89, Galerie. Saarbrücken 2003
  • Über Tage. Künstlerische Interventionen auf der stillgelegten Grube Göttelborn. HBKsaar. Saarbrücken 2003
  • zoom 2004. Absolventen und Studierende der HBKsaar bei T-Systems. Saarbrücken 2005
  • ici l'ombre du castel coucou. Castel Coucou Association Œil,. Forbach 2005
  • à travers champs - querfeldein, Centre d'Art Contemporain du Luxembourg Belge. Jamoigne 2007
  • Ralph Melcher (Hg.): Dein Land macht Kunst. Landeskunstausstellung 2008. Saarbrücken 2008
  • angezettelt. 25 Jahre Saarländisches Künstlerhaus. Saarbrücken 2010

Homepage / Quelle

  • www.nataschapoetz.de
  • Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Archiv, Bestand: Pötz, Natascha (Dossier 8740)

Redaktion: Claudia Maas