Institut für aktuelle Kunst

Seiji Kimoto, Foto: Alexander Bennemann
Bindung IV, 1995, Holz, Seil, 120 x 300 x 300 cm, Foto: Margret Brill
Vernetzung, fünfteillige Wandinstallation, 1995, Holz, Seil, 180 x 300 x 6 cm, Foto: Margret Brill
Verspannung, 1995, Holz, Seil, 88 x 92 x 13 cm, Foto: Margret Brill
Bindung III, 1995, Holz, Seil, 140 x 88 x 8 cm, Foto: Margret Brill
Kaligrafie nach Christian Morgenstern, Rehleins Nachtgebet, 2002, Tusche auf Papier
ohne Titel, 1997, Zen-Malerei, Tusche auf Papier, 70 x 30 cm
ohne Titel, 1997, Zen-Malerei, Tusche auf Papier, 70 x 30 cm
Abwehr oder Auslieferung, 1998, Holz, Seil, 195 x 64 x 65 cm, Foto: Alexander Bennemann
Der neue Mensch, 1997, Holz, Seil, 80 x 70 x 15 cm, Foto: Alexander Bennemann
Macht und Ohnmacht, 2004, Ausstellung im Kreuzgang der Dominikaner Kirche St. Blasius Regensburg, Foto: Alexander Bennemann
Menschenschatten, 2004, Holz, Papier, 195 x 310 x 35 cm, Foto: Alexander Bennemann
Stein unter Bewachung, 2006, Metall, 510 x 300 x 300 cm, Mauthausen Memorial, Foto Seiji Kimoto
Macht und Ohnmacht, 1993, Holz (verschweißt, gestrichen), Länge ca. 700 cm, Saarbrücken, Landtag des Saarlandes, SPD-Fraktion, Foto: Archiv Institut für aktuelle Kunst im Saarland

Kimoto, Seiji

Bildhauer
geboren 1937 in Osaka, Japan
Kategorien: Bildhauerei, Zeichnung, Kunst im öffentlichen Raum

Künstler und Werk

Kunst muss in uns Spuren hinterlassen. Begegnung mit Seiji Kimoto 

Auf Seiji Kimoto sollte man sich vorbereiten. Denn der japanische Objektkünstler, der im Saarland lebt, konfrontiert sein Publikum mit einem merkwürdig surrealen, fast obsessiven Panoptikum des Leidens: deformierte, menschenähnliche Gestalten mit abgetrennten Gliedmaßen sind da zu sehen, von Vierkanthölzern gepfählt oder zwischen Metallplatten gepresst. Archaisch anmutende Figuren, denen Gitterstäbe in die Brust getrieben wurden, eng in Seile geschnürt oder mit Felsbrocken beschwert, die Gesichter zerschunden und von tief eingestanzten Quadern bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Seine Plastiken, sagt Kimoto, seien wohl nichts für sensible Gemüter. Manche Besucher verließen seine Ausstellungen geradezu fluchtartig. Die Mehrzahl allerdings bliebe lange bei seinen Objekten, in stummer Zwiesprache. Diejenigen, die sich dann zu ihren Eindrücken äußerten, bekundeten ihre Betroffenheit und Beunruhigung, aber auch eine nur schwer zu beschreibende Faszination.  

Tatsächlich ist die Dichte und schiere Wucht der Plastiken Kimotos beeindruckend. Da ist die erhabene Gestalt eines Magiers, dunkelbraun wie die meisten seiner Figuren, die Hände segnend (oder bannend?) über den Betrachter gestreckt. Auf einer ramponierten Holzkarre steht übergroß ein Torso, die Brust übersät mit Enden von Seilen, die aussehen wie rostiger Stahl. Im Windhauch der Vorbeigehenden bewegen sich auf Papierfahnen halbdurchsichtige Schattenmenschen. Und am Boden liegt, ein Kreuz ins Gesicht gefräst und zermalmt von einem riesenhaften, roten Fuß, ein elendes Häuflein Mensch – doch mit einer letzten Anstrengung des Willens reckt er den Arm wie zum Zeichen seiner Überlegenheit senkrecht in die Höhe. Zeichenhafte Gesten und albtraumartige Visionen, die an das Gewissen des Betrachters appellieren und ihm Selbsterforschung abverlangen, aber auch sehr persönliche Fragen nach den Dämonen stellen, die den Künstler quälen und zu diesen Werken antreiben. 

Seiji Kimoto ist ein würdevoller, schlanker Mann mit schlohweißem Haar und Kinnbart. Er wirkt gelassen und zurückhaltend, aber nicht distanziert. Doch die Annäherung ist schwierig. Auf Fragen nach seiner Kunst reagiert er ausweichend oder mit Gegenfragen. „Kunst muss uns berühren und in uns Spuren hinterlassen“, sagt er. Deshalb will er keine Abkürzungen eröffnen, kein Begreifen ohne Hinschauen. Sie soll aus sich heraus wirken können. Kimoto konfrontiert den Betrachter mit dem Anderen und seinem Leiden. Er fordert uns auf, sich auf ihn einzulassen, ihn auszuhalten. Eine Zumutung, die Abwehrreflexe produziert. Als Kind erlebte er den Bombenterror im Zweiten Weltkrieg hautnah mit. Er sah, wie Feuersbrünste ganze Städte zerstörten und verkohlte Leiber, die die Straßen säumten. Ein Trauma, das einen Menschen nie wieder ganz verlässt. 

Auch Kimotos Bildnisse des Leidens lassen den Betrachter nicht wieder los und ziehen ihn in einen Sog des Schauens. Häufig platziert er sie an authentischer Stelle, in Fremdarbeiter- und Vernichtungslagern oder den Folterkellern der Stasi. Orte der äußersten Demütigung des Menschen, an denen seine Skulpturen sichtbar machen, was hier einst geschehen ist. Gequälte und verkrüppelte Menschen, mit Gesichtern wie eingefrorene Hilfeschreie. Stumme Zeugen erlittener Gewalt. Wächter der Würde des Menschen. Kimoto erinnert mit diesen Plastiken an die großen Katastrophen der Humanität und gibt uns Fingerzeige zum Nachdenken für eine andere Wirklichkeit. Hier liegt das hintergründige, utopische Motiv seiner Menschenbilder offen zutage. 

Kimoto, ein Wahrheitssucher. Seine Skulpturen zeigen nur die Ausgangspunkte einer Reise an, die nach innen führt. Sie bilden nicht einfach ausschnitthaft eine schmerzhafte Vergangenheit nach, sondern weisen über die Erinnerung hinaus auf eine mögliche andere Wirklichkeit und die Wege, die zu ihr führen. Ihre eigentliche Kraft und Authentizität erschließt sich daher erst von ihrem Betrachter her. Mitte der 1980er-Jahre schrieb Seiji Kimoto einmal von einer Tendenz zum genormten und verformten „Bonsai-Menschen“, die zusehends die Überhand gewinne. Unter den zahlreichen Illustrationen zu diesen knappen Hinweisen finden sich bereits hier teils drastische, teils makabre Darstellungen von Zwergwuchs und Verunstaltungen als Folgen einer gezielten Manipulation des Wachstums, aber auch von Selbstverstümmelungen. Skizzen zu einem schmerzlichen Psychogramm der Gegenwart. 

Von der Zeichnung kam Kimoto später zur Skulptur, zum Tuschbild und zur Kalligrafie und setzte neben japanischer Lyrik und religiösen Texten auch Ringelnatz und Morgenstern in Arbeiten um, die eine unvermutete Heiterkeit, Leichtigkeit und Weite ausstrahlen. Weniger Beachtung als diese Papierarbeiten findet dagegen in der Regel eine weitere Werkgruppe Kimotos, die abstrakten Objekte und Installationen. Anders als bei den kontextuellen Menschenbildern, die auf die unterschiedlichen Formen individueller Verstrickung in Verhältnisse von Macht und Ohnmacht Bezug nehmen, setzen diese Arbeiten in abstrakter Form etwa Spannungen im Moment kurz vor ihrem Zerbersten ins Bild, oder Bindungen, die allmählich anschwellen und Zug um Zug zu Einschnürungen und schließlich zur Fesselung werden. Spannung und Entwicklung, Freiraum und Einschnürung: das sind die zentralen Begriffe der Bildersprache Kimotos in höchster Konzentration. 

Kimotos Werk fesselt und verstört, ist sperrig und von einer großen Dichte. Seine Bilder und Objekte sind durchwirkt von einer eigentümlichen Ambivalenz, die sie zugleich abschreckend und anziehend erscheinen lässt. Der Mensch ist in ihnen vor allem ein Leidender, aber auch der Täter. Der Firnis der Zivilisation ist von ihm abgefallen und er scheint ganz auf seine Körperlichkeit reduziert. Kimoto geht es in diesen Arbeiten vor allem um das Hinschauen auf den Anderen, aber auch auf sich selbst. Er legt den Zustand der Seelen in unserer Zeit bloß, unsere Verletzungen und Verstümmelungen, aber auch unsere Schuldfähigkeit, unsere Hoffnung und unsere Kraft zum Widerstand. Er hält uns den Spiegel vor Augen, fragt uns nach dem Ziel und begleitet uns so auf unserer Reise.

Alexander Bennemann 

aus: Paul Bertemes, Jean Colling (Hg.): Visites d'Atelier Atelierbesuche. Band 01. Luxembourg 2006

Seiji Kimoto oder die Sprache des Seiles

Es ist ein außergewöhnlicher Kunstweg: Ende der sechziger Jahre zog es einen japanischen Innenarchitekten nach Deutschland. Aus dem Aufenthalt, der als vorübergehende Station auf dem Weg, Neues kennenzulernen, geplant war, ist ein saarländischer ­Dauerzustand geworden.

Seiji Kimoto, der Künstler aus Osaka, lebt in Wiebelskirchen, im ­alten ­Neunkircher Industrierevier. Das klingt fast nach selbstgewähltem Exil. Es macht aber auch deutlich, dass es nicht möglich ist, Seiji Kimoto mit den ­üblichen modischen Klischees zu behaften, die wir uns in unserer europä­ischen Selbstgefälligkeit beim Interpretieren asiatischer Kulturen angewohnt haben. Die künstlerische Laufbahn Seiji Kimotos hört sich wohl sehr ­saarländisch an: Studium bei Professor Boris Kleint in Saarbrücken, zeitweiser Zusammenschluss in einer Künstlergruppe mit saarländischen Kollegen. Das Lokalkolorit aber erweist sich bei näherer ­Betrachtung als vordergründiger Trugschluss: Ein Großteil der wichtigen Ausstellungen auf dem künstlerischen Weg Seiji Kimotos fand nämlich außerhalb seiner Wahlheimat statt – auch wenn mittlerweile etliche Kunstwerke von ihm im sogenannten »Öffentlichen Raum« im Saarland zu sehen sind. Der Lebensweg Seiji Kimotos ist der eines Einzelgängers auf der ­Suche nach menschlichen Werten ­zwischen den Weltkulturen. Zwar hat die geografische Entfernung zu seinem kulturellen ­Ursprung die geistigen Wurzeln Seiji ­Kimotos nur verstärkt. Seine Formensprache erinnert in vielen Elementen an traditionelle japanische Einflüsse, und wer die Tuschezeichnungen sieht, versteht, dass der heute viel strapazierte Begriff des Zen-Buddhismus für ihn nicht zu einem leicht zu vermarktenden Snobismus geworden ist. Zen bleibt für diesen japanisch-saarländischen Künstler auch in Wiebelskirchen das Fundament seiner Einstellung zum Leben.

Seiji Kimoto ist vor allen Dingen ein ­Plastiker, der seine Skulpturen und ­Objekte in langwierigen Prozessen aus Holz zusammenfügt. Da gibt es Reliefs und Figuren, die an geknebelte, geknechtete, geschundene Menschen denken lassen – Sinnbilder des Schmerzes und der Unterdrückung. In seinem vor Jahren erschienenen Buch Bonsai-Menschen schreibt Seiji Kimoto, dass viele Pflanzen, die wir als Bonsai klein halten, in der Natur vielleicht zu gigantischer Größe herangewachsen wären. Doch sie bleiben eben »Bonsai«, weil ihr vom Menschen begrenzter Wurzelraum eine freie Entwicklung hemmt. Diese Sätze sind für das Menschenbild in Seiji Kimotos Werken von ausschlaggebender Bedeutung.

Daneben finden sich im Werk Seiji ­Kimotos Objekte, in denen eine Rückbesinnung auf dinglich beschreibbare Elemente nahezu ganz fehlt, auch wenn symbolische Referenzen an Steine oder Baumstämme vorkommen. Gerade diese nicht-figurativen Plastiken laden zur konzentrierten, meditativen Auseinandersetzung ein. Diese oftmals geometrisch-strengen Kompositionen setzen mit architektonischer Konsequenz kräftige, mitunter aggressive ­Akzente im räumlichen Umfeld. Ein derartiger Parallelismus von »Menschenbildern« und »Meditationsobjekten« mag dem oberflächlichen Betrachter wie eine zweigleisige ­Arbeitsweise erscheinen. In Wahrheit aber wirken sich die Klarheit der Form und der durchdachte Aufbau stets als durchgängige und sich ergänzende Merkmale aus.

Zudem sind Seiji Kimotos plastische Werke nicht nur durch solche kompositorischen Aspekte als Teile ­eines aufeinander abgestimmten, schlüssigen Ganzen zu verstehen. Dem immer wieder eingesetzten Motiv des Seils etwa kommt neben der formalen, gestalterischen Rolle ein wesentlicher und vielschichtiger Bedeutungscharakter zu. Mit einem Seil kann man etwas ­zusammenbinden, Kontakte herstellen, jemandem aber auch die Freiheit rauben: das Seil als Fessel, das Seil als Verbindung, das Seil als Nabelschnur, das Seil als Galgenstrick. Doch trotz des haltenden Seiles scheint es in vielen Skulpturen mitunter nur eine Frage der Zeit bis zum befreienden Auf- und Ausbrechen. Das Seil hinterfragt also die Ausgewogenheit der Form, es illustriert die Spannung, die in allen Werken von Seiji Kimoto vorherrscht und der man nicht mit einem flüchtigen Augen-Blick auf die Spur kommt.

Diese Ästhetik mit Biss verlangt ausdauernde Dialoge, nicht schnellen, oberflächlichen Konsum. Hier laden nicht groß geöffnete Tore zum Supermarkt der Eitelkeiten in belangloser Kunstverpackung ein. Wer Seiji Kimotos Werke entziffern will, muss sich auf eine spannende, kurvenreiche Entdeckungsreise zwischen ­asiatischer Kulturtradition und europä-ischen Herausforderungen einlassen. So entstehen Arbeiten, die persönliche Antworten eines Künstlers auf die ­alltäglichen Unzulänglichkeiten im »Dorf Welt« sind, dessen städtebauliche Grundmuster durch grenzenlose Hektik, durch entfesselte Menschenverachtung, durch Krieg und politische Einfallslosigkeit, durch Werteverlust und Egoismen definiert sind. Seiji Kimotos Werke sind so plastische Zeichen ­unserer Zeit, in der für vordergründige Harmonie kein Platz mehr ist. Diese kompromisslose Kunst-Sprache hat ­entlarvenden Charakter. Sie wurzelt zu tief in den Existenzbedingungen des Menschen, als dass sie davon unabhängige Wege beschreiten könnte.

Paul Bertemes 

aus: Seiji Kimoto. Objekte und ­Zeichnungen 1985-95. Hg. Museum St. Wendel, Drs. Cornelieke Lagerwaard. St. Wendel 1995

Seiji Kimoto im Konzentrationslager Mauthausen: Kulturelle Verräumlichung der ­Erinnerung

Auschwitz, Mauthausen, Bergen-­Belsen und all die anderen Lager und Anstalten der nationalsozialistischen Terrorherrschaft sind räumlich umgrenzte Orte des Gedenkens an die ­Taten und die Opfer. In ihrer Authentizität stellen sich eine Vermittlung ­zwischen dem ­historischen Ereignis und dem heutigen Betrachter her, sie erfüllen durch das Gedenken eine aufklärerische und eine pädagogische Funktion. Der lebenszeitlich bedingte Verlust der Generation, die das Grauen noch erlebte, führt zu einer Situation, aus der heraus die ­Gedenkstätte selbst zu sprechen hat. Die Lehren aus dem Massenmord in den Konzentrationslagern und Euthanasieanstalten verweisen darauf, zu welchen Gräueltaten Menschen fähig sind und eben wegen dieser Erkenntnis muss im Hinblick auf die nationalsozialistische Vergangenheit das Gestern im Heute erhalten bleiben und müssen ­bezogen auf das menschliche Zusammenleben die Strukturen von Macht und Ohnmacht aufgedeckt werden. Diesen Weg geht die Gedenkstätte Mauthausen, wenn sie es dem japanisch-deutschen Künstler Seiji Kimoto ermöglicht, seine Objekte in einen räumlichen ­Bezug zu diesem Ort des Terrors zu bringen.

Für mich unternimmt Seiji Kimoto eine räumlich bezogene Vergegenwärti­gung von Macht und Ohnmacht, die vor ­allem deshalb so verstört, weil sie die eigentliche Banalität des Ortes Mauthausen aufschließt und einen ­Widerhall des einstigen Schreckens ­hervorruft, der diesen Ort im Akt der historischen Konservierung verlassen hat. Stellvertretend für die Abwesenheit des Grauens setzt Kimoto die ­Symbole seiner Kunst und seine Kunst als Symbol. ­Damit schafft er einen Sinngehalt, der uns eine sonst nicht mehr zugängliche Wirklichkeit ­erschließt. Man kann diese Vorgehensweise mit der Funktion der Sprache ­vergleichen. Wie die ­Sprache nicht ­einfach eine bestehende Wirklichkeit abbildet, sondern eine Wirklichkeit ­aufschließt und deutet, so steht auch das Symbol nicht einfach für einen ­bestehenden Sinn, sondern schließt ­diesen Sinn auf, macht ihn sichtbar und schafft erst so den ­eigentlichen ­Zugang.

Das Symbol ist kein bloßer ­Widerschein der objektiven Wirklichkeit, sondern ­eröffnet etwas Tieferes und Grundlegenderes. Der ­Religionswissenschaftler Mircea Eliade hat es einmal dahingehend formuliert, »dass die Symbole sowohl die unmittelbare Wirklichkeit wie die besondere ­Situation zum ­›Bersten‹ bringen.«

Dieses ›Bersten‹ mutet uns Kimoto zu, wenn er seine geschundenen und schrundigen Objekte in den Raum setzt und damit ein Verfahren kulturell geformter Erinnerungen in Gang setzt. Das Verfahren lautet: Bewusstmachung und Beherzigung – Sichtbarmachung – Weitergabe an die folgenden Generationen. In der kulturellen Verräumlichung der Erinnerung wird ein Ort im Ort geschaffen, der einem schlagartig ins Bewusstsein bringt, dass hier ­tausendfaches Leid zugefügt und erlitten wurde. Die Objekte selbst machen es sichtbar, im Prozess ihrer Bearbeitung, in ihrer Oberfläche, in ihren schwarz-­roten Farben, in den gekrümmten ­Figuren, im drohenden Seil, im zermalmenden Felsen, im fragilen Papier.

Kimotos Symbole brechen die geschlossene Oberfläche der Dinge und lassen dahinter  eine bisher verborgene Tiefe sichtbar werden, sie zeigen, was war, was ist und was immer wieder sein kann. Die bei dieser Sichtbarmachung aufscheinenden Zusammenhänge sind nicht erfreulich, weshalb ich von der ­Zumutung spreche, die uns Seiji Kimoto aufnötigt. Weil es dabei aber um das menschliche Zusammenleben, um Macht und Herrschaft, Unterdrücken und Aufbegehren, Scheitern und ­Hoffen, Tod und Leben geht, wird das Symbol zum Mahnmal. Kimotos ­Objekte richten an uns nicht nur die Aufforderung, der Opfer der Ereignisse in Mauthausen zu gedenken, sondern fordern uns ab, die Ereignisse selbst als Mahnung und Appell aufzufassen, die sich im Prinzip an die Menschheit als Ganzes richten. 

Anton Markmiller 

aus: Seiji Kimoto. Macht und Ohnmacht. Menschen – Spuren – Schatten. Hg. Republik Österreich, Bundesministerium für Inneres, Abt. IV/7, Wien 2006

Biografie

  • 1937
    in Osaka/Japan geboren
  • 1956-61
    Studium der Innenarchitektur und Zen-Malerei in Osaka
  • 1961-67
    Tätigkeit als freischaffender Innenarchitekt
  • 1967
    Besuch Goethe-Institut Staufen/ Freiburg
  • 1968-71
    Studium an der Staatlichen Werkkunstschule, Saarbrücken bei Prof. Dr. Boris Kleint
  • 1968
    Mitbegründer der Gruppe 7
  • Seit 1971
    als freischaffender Bildender Künstler tätig
  • 1971
    Gründungsmitglied BBK Saarland
  • 1985
    Gründungsmitglied Saarländisches Künstlerhaus
  • 1999
    Nominierung zum Robert Schuman Kunstpreis

Einzelausstellungen

  • 1972
    Galerie Elitzer, Saarbrücken
  • Galerie Schneider-Sato, Karlsruhe
  • 1973
    Galerie Studio 68, Speyer
  • 1974
    Kunstkontor Blank, Marburg
  • 1975
    Kunstverein Gütersloh
  • 1976
    Rheinisch-Westfälische Auslandsgesellschaft, Dortmund
  • Asia-Haus, Saarbrücken
  • Galerie Faber, Fulda
  • 1977
    Kunsthaus Blank, Marburg
  • 1980
    Galerie Im Zwinger, St. Wendel
  • Kunsthaus Blank, Marburg
  • Asia-Haus, Frankfurt
  • 1981
    Galerie Vanille, Emmerich
  • 1981/82
    Evangelische Akademie, Bad Boll
  • 1982
    Galerie Spectrum, Frankfurt
  • 1983
    Rathaus Neunkirchen
  • 1984
    Rosengalerie, Bielefeld; Art Gallery, Luxembourg
  • 1985
    Galerie am Graben, Fulda
  • Hohaus-Museum, Lauterbach
  • Schlossgalerie, Bonn
  • Kunstwerkstatt Würzburg
  • 1987
    Landratsamt Wetzlar
  • Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken
  • 1988
    Galerie im Bürgerhaus, Neunkirchen
  • 1991
    Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken
  • 1994
    Galerie Simoncini, Luxembourg
  • Galerie 48, Saarbrücken
  • Bosener Mühle, Bosen
  • 1995
    Museum St. Wendel
  • Wohnkunst-Galerie, Karlsruhe
  • Galerie im Hof, St. Wendel
  • VSE Saarbrücken
  • 1996
    Galerie im Hof, St. Wendel
  • 1997
    Galerie Simoncini, Luxemburg
  • Galerie 48, Saarbrücken
  • 1998
    Galerie im Alten Schloss, Dillingen
  • 1999
    Galerie in der Alten Brauerei, St. Ingbert
  • 2000
    Galerie Rathaus Völklingen
  • 2002
    Rathaus-Galerie Saarwellingen
  • 2003
    Galerie Simoncini, Luxembourg
  • "Macht&Ohnmacht", Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Berlin
  • 2004
    "Macht&Ohnmacht", Kreuzgang Dominikanerkirche St. Blasius, Regensburg
  • 2005
    "Macht&Ohnmacht", Robert-Schuman-Haus, Katholische Akademie Trier
  • 2006
    Galerie TU Kaiserslautern
  • "Macht&Ohnmacht", Nationale Gedenkstätte ehemaliges Konzentrationslager Mauthausen (Mauthausen Memorial)
  • 2007
    Kunstverein Dillingen, Altes Schloss Dillingen
  • 2010
    "Seiji Kimoto - Kalligraphie und Tuschezeichnungen, Tom Flick, Skulptur", espace mediArt, Luxemburg
  • 2011
    "Macht&Ohnmacht", Johanneskirche, Saarbrücken
  • 2012
    "Macht und Ohnmacht" ist im Rahmen des Jüdischen Filmfestivals Zagreb, Galeija Karas, Zagreb
  • 2013
    "Seiji Kimoto (JP/DE) Calligraphies, encres de Chine et sculptures", mediArt, Luxemburg
  • 2014
    "Tuschebilder - Kalligrafien - Einzelskulpturen", Galerie im Rathaus, Riegelsberg
  • 2015
    "Menschenschatten - l'ombre des hommes", Centre Européen du Résistant Déporté, Natzweiler-Struthof
  • 2016
    "Seiji Kimoto Moc in nemoc", Galerija Paviljon Nob, Trzic/Slovenien
  • 2017
    "Kimoto eine Retrospektive", Städtische Galerie Neunkirchen
  • 2018
    "L'ombre des Hommes - Menschenschatten - Seiji Kimoto", Parc Explor Wendel, Petite Rosselle

Ausstellungsbeteiligungen

  • 1970
    Galerie Elitzer, Saarbrücken
  • Galerie Beck, Homburg
  • Stadthalle Öhringen
  • 1971
    Galerie Soulange, Paris
  • 1973
    Pfalzgalerie Kaiserslautern
  • Moderne Galerie des Saarlandmuseums, Saarbrücken
  • 1974
    Kunstwerkstatt Darmstadt
  • Kulturamt, Berlin Kreuzberg
  • 1975
    Pfalzgalerie, Kaiserslautern
  • 1976
    Moderne Galerie des Saarlandmuseums, Saarbrücken
  • 1977
    Galerie Zwinger, St. Wendel
  • Kunsthalle Darmstadt
  • Moderne Galerie des Saarlandmuseums, Saarbrücken
  • 1978
    Wanderausstellung Gruppe 7, Kanada
  • 1979
    Jeunes peinture, Paris
  • 4 x 5 Tage, Moderne Galerie des Saarlandmuseums, Saarbrücken
  • 1980
    Kunstverein Gütersloh
  • Jeune Peinture, Paris
  • 1981
    Galerie Walderdorff, Trier
  • 1982
    Galerie Atelier 4, Sens, Frankreich
  • Kunstsituation Saar
  • Glaskasten-Museum Marl
  • Saarländische Künstler, Wanderaussellung durch die UdSSR
  • Künstler gegen den Krieg, Kassel, Saarbrücken
  • 1983
    Galerie Myasaki, Osaka, Japan, Wanderausstelllung durch die UdSSR
  • 1985
    Internationale Kunstmesse Tokio
  • 1987
    Gedächtnisausstellung Werner Reinert, Galerie Zwinger, St. Wendel
  • Kunstszene Saar, Landeskunstausstellung,1987, Moderne Galerie des Saarlandmuseums
  • 1990
    Arbeiten auf Papier, Museum St. Wendel
  • 1997
    Galerie im Kreishaus, Wetzlar
  • 1998
    Kunst im Kasten, Künstlerhaus Saarbrücken
  • 1999/2000
    Ausstellung zum Robert-Schuman-Preis der Regionen Saarland, Luxembourg, Rheinland-Pfalz, Lothringen und Trier, Kunsthalle der Europäischen Akademie für Bildende Kunst, Trier
  • 2000
    Landeskunstausstellung 2000, Neunkirchen
  • 2002
    SchriftkunstSchrift, Saarwellingen
  • 2003
    Künstlerhaus-Ausstellung, Saarbrücken
  • Kleinplastiken, Galerie Sinoncini, Luxembourg
  • 2005
    BBK-Jahresausstellung, Künstlerhaus Saarbrücken
  • 2006
    mediArt Luxembourg
  • 2007
    mediArt Luxembourg
  • 2008
    "Dein Land macht Kunst", Landeskunstausstellung 2008, Stadtgalerie Saarbrücken
  • 2009
    Seiji Kimoto- Skulpturen und Papierarbeiten, Hannelore Seiffert - Keramiken, Neunkircher Künstlerkreis, Neunkirchen
  • 2010
    "Kunstgarten", Union Stiftung Saarbrücken
  • 2016
    "Festival for Tolerance“, Ljubljana/Slowenien

Werke im öffentlichen Raum

  • Saarbrücken, Musikhochschule des Saarlandes, Wandbild "Mensch-Menschsein?", 1989
  • Saarbrücken-Von der Heydt, Altarraum des ehemaligen Bergwerks Von der Heydt, Wandgestaltung "Kreisläufe", 1990 
  • Wetzlar, Technisches Berufsbildungszentrum, Großplastik "Die Herausforderung – die Tat", 1991
  • Saarbrücken, Hotel La Résidence, Wandgestaltung "Der Weg 1",1992
  • Saarbrücken, Landtag des Saarlandes, Wandgestaltung "Macht und Ohnmacht", 1993
  • Neunkirchen, Hüttenpark, Großplastik "Mahnmal für FremdarbeiterInnen", 1997/2015
  • Neunkirchen, Erinnerungsstätte Barackensiedlung Auf der Schmelz, Außenplastik,1998 
  • Ljubljana/Slowenien, Kleines Theater, Plastik „Zwei Menschen“, 1998
  • Saarbrücken, Garten der Johanneskirche, Plastik "Abwehr-Auslieferung", 1998/2012
  • Saarbrücken, Bel Étage Spielbank, Plastik "Konzentration", 1999
  • Saarbrücken, Rathaus, Wandrelief "Der Weg 2", 2000
  • Berlin, Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Relief "Menschenmaterial", 2004
  • Mauthausen bei Linz/Ö, KZ-Gedenkstätte Mauthausen (Mauthausen Memorial) Großplastik "Stein unter Bewachung", 2000
  • Berlin, Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Relief "Menschenmaterial", 2004
  • Saarbrücken, Fachoberschule Design, Großplastik "Orientierung", 2008
  • Gedenkstätte Natzweiler-Struthof/Frankreich, Plastik "Erneuerung und Widerstand", 2015
  • Museum Trzic/Slowenien, Plastik „Durchbruch", 2016

Kunstaktionen

  • 1980
    Tuschbilder für Terre des Hommes
  • 1982
    "Krieg und Frieden" (Kassel und Bremen)
  • Allemagne 82/Autour de l’eclectisme« (Atelier quatre, Sens)
  • "Künstler gegen den Krieg" (Kassel und Saarbrücken)
  • "Aktion Künstlerkartei" (Moderne Galerie Saarlandmuseum)
  • 1984
    Wanderausstellung "Orwell 1984"
  • 1987
    Wanderausstellung "Künstler gegen Apartheid"
  • 1989
    "Bilder für Afrika", internationale Künstleraktion
  • 1992
    "Aktion Kunst", Saarländischer Landtag
  • 1994
    "Saarländische Künstler für UNICEF" ­­Kunst-Auktionen für die Saarländische AIDS-Hilfe und Amnesty International
  • 2009
    Skulptur "Orientierung", Offenes Atelier im Technisch-Gewerblichen-Berufsbildungszentrum, Saarbrücken

Bibliografie: Monografien

  • Seiji Kimoto. Bonsai-Menschen. 1983
  • Seiji Kimoto. Anstöße. Neunkirchen 1988
  • Seiji Kimoto. Objekte und Skulpturen 1985-1995. St. Wendel 1995
  • Seiji Kimoto. Mahnmal für Zwangsarbeiter des Zweiten Weltkrieges. Neunkirchen 1997
  • Seiji Kimoto. Macht und Ohnmacht. Regensburg 2004
  • Seiji Kimoto. Macht und Ohnmacht. Bundesministerium für Inneres, Österreich 2006
  • Jo Enzweiler (Hg.): Künstlerblatt Seiji Kimoto. Saarbrücken 2007 
  • Seiji Kimoto - Vom Baum geschüttelt. Schrecklich heitere Zwiegespräche. Hg. Haruka Isabel Kimoto. Saarbrücken 2013 
  • Seiji Kimoto Moc in nemoc. Trzic 2016
  • Kimoto eine Retrospektive. Neunkirchen 2017.
    Mit Beiträgen von Nicole Nix: Vorwort, S. 3; Paul Bertemes: Über die Würde des Menschen. Zu Seiji Kimotos künstlerischem Werk, S. 10-13

Bibliografie: Sammelschriften

  • Grafik 73, Saarbrücken 1973, o. p.
  • Nonconfrontation. Saarbrücken 1976, o. p.
  • Gruppe Sieben. Kunsthalle Darmstadt 1977, o. p.
  • Kunstsituation Saar. Skulpturen, Objekte, Gemälde, Zeichnungen, Grafik, Fotografien, Saarbrücken 1982, o. p.
  • Kunst am Bau. Wetzlar 1991 
  • Kultur-Forum Saar 1993
  • Brunnen in Saarbrücken. Saarbrücken 1995, S. 35
  • Seiji Kimoto. In: Zeitgleich. Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler, Saarbrücken 1997, S. 70-71
  • Jo Enzweiler (Hg.): Kunst im öffentlichen Raum Bd. 1. Saarbrücken Bezirk Mitte, Saarbrücken 1997, S. 132-133
  • Kunst im Quadrat, Jahrbuch Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler. Saarbrücken 1997
  • 10 Jahre Galerie im Kreishaus Wetzlar. Wetzlar 1997
  • Seiji Kimoto: Mahnmal zur Erinnerung an die ehemaligen FremdarbeiterInnen in Neunkirchen. In: Mitteilungen 1997. Saarbrücken 1997, S. 21
  • Günter Scharwath: Seiji Kimoto. In: Ders.: Miniaturen. Saarbrücken 1999, S. 219-222
  • Seiji Kimoto. In: Bild Wort - Wort Bild. Commun. Hg. vom Saarländischen Künstlerhaus Saarbrücken. Ausstellungskatalog Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler e.V. Saarbrücken 2000, S. 110-111
  • Seiji Kimoto. In: Kunstszene Saar - Visionen 2000. Saarbrücken 2000, S. 228-231
  • Wettbewerb Vertretung des Saarlandes beim Bund, Berlin. Saarbrücken 2001/02, S. 32
  • Neunkircher Stadtbuch, Bd. 1. Neunkirchen 2001
  • Alexander Bennemann: Kunst muss in uns Spuren hinterlassen. In: Visites d' Ateliers. Atelierbesuche. Bd. 1, Luxembourg 2006, o. p.
  • Aktion Kunst. o. O., o. J., o. p.
  • mediArt (Hg.): Michel Raus - Halbe Wahrheit, ganze Lüge. Sätze und Gegensätze. Kalligrafien: Seiji Kimoto. Koordination und Redaktion Paul Bertemes. Luxemburg 2007
  • Dein Land macht Kunst. Katalog der gleichnamigen Landeskunstausstellung 2008. Hg. von Ralph Melcher, bearbeitet von Julia Frohnhoff. Saarbrücken 2008, S. 160-163
  • "Kunstgarten", Union Stiftung Saarbrücken. "Einblicke". Hg. Union Stiftung Saarbrücken mit einem Beitrag von Lorenz Dittmann. Saarbrücken 2010, S. 8f

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Quelle

  • Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Archiv, Bestand: Kimoto, Seiji (Dossier 8591)

Redaktion: Sandra Kraemer, Claudia Maas